Was hat es eigentlich mit „Familienlandsitzen“ auf sich? 6


Wer sich mit Gemeinschaften, Ökodörfern und nachhaltigem Leben beschäftigt, erfährt irgendwann von den Ökodörfern, die sich nach den Anastasia-Büchern gegründet haben. Wie, was, eine Ökodorfbewegung, die auf einer Buchserie beruht? Klingt ein bisschen fantastisch. Tatsächlich wird in den Büchern von Wladimir Megre eine konkrete Siedlungsweise empfohlen. Die Bücher sind in  Romanform geschrieben, vermitteln aber eine Weltanschauung, die spirituell und ökologisch geprägt ist. Die Titelfigur Anastasia lebt in der sibirischen Taiga als Vertreterin der alten Kultur der „Wedrussen“ und vermittelt dem Ich-Erzähler allerlei Erkenntnisse. Ein lesenswerter Artikel dazu findet sich in der deutschen Wikipedia – auf der Diskussionsseite des Artikels wird unter anderem die Frage gestellt, ob Anastasia frei erfunden ist oder ob es sie wirklich gibt. Als Siedlungsform empfiehlt Anastasia jedenfalls „Familienlandsitze“ in der Größe von einem Hektar, und tatsächlich haben sich in Osteuropa und Russland bereits etliche solche Siedlungen etabliert. In Deutschland gibt es ein konkretes Familienlandsitz-Gründungsprojekt namens Weda Elysia und es finden sich auch einige Artikel über diese Lebensform (z. B. auf sein.de).

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Wir haben im letzten eurotopia-Verzeichnis auch das deutsche Netzwerk der Familienlandsitz-Siedlungen mit aufgenommen, eine internationale Netzwerkadresse konnten wir trotz einiger Bemühungen nicht herausfinden. Vor kurzem wurde uns für den eurotopia-Versand dann der Film „Slavnoje“ – Ökodorf und Familienlandsitzsiedlung“ angeboten, den wir aber wohl nicht ins Programm nehmen, weil die Idee der Familienlandsitze, auch wenn sie für manche genau das Richtige sein mag, meines Erachtens doch am Konzept von Gemeinschaft vorbeigeht. Der Trailer ist hier zu sehen, dort kann der Film auch bestellt werden. In dem Film sieht man einige solcher Familienlandsitze in der Siedlung Slavnoje und erfährt durch Interviews etwas über die Menschen, die diese Lebensform für sich ausprobieren. Das wirkt sehr harmonisch und es ist auch einladend, wie zum Beispiel Laien ihre Häuser ganz ungezwungen selbst bauen. Allerdings bleibt unklar, wie diese Leute dann jahrelang auf ihrem „Landsitz“ leben wollen (Brauchen sie kein Geld? Wird ihnen das nicht langweilig? Fangen sie nicht an, sich auf die Nerven zu gehen? Brauchen die keine Schokolade??), und bei den kitschigen Gesangseinlagen inkl. Weichzeichner und weißen Gewändern wird mir ganz anders zumute.
Zwar scheint eine gute Nachbarschaft (Feiern! Singen!) schon zum Konzept der Familienlandsitze zu gehören, Gemeinschaften nach unserer Definition sind diese Siedlungen von 1-ha-Höfen wohl nicht (aus unserer Definition auf http://www.eurotopia.de/def_gem.html):

…eine Gruppe von Menschen, die absichtlich zusammen leben, um über das gemeinsame Wohnen hinaus weitere ideelle (und auch materielle) Ziele gemeinsam zu verfolgen, sei es erforschend oder verwirklichend. Sie legen dabei Wert darauf, die Privatheit des Individuums ein Stück weit aufzugeben für die gemeinsame Gestaltung persönlicher Lebensaspekte.

Mich würde Interessieren, ob sich eurotopia-Leser*innen für diese Siedlungsart interessieren – gehört das zum Thema Gemeinschaft oder eher nicht? Gibt es Erfahrungen? Ich freue mich, wie immer, über Kommentare.


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6 Gedanken zu “Was hat es eigentlich mit „Familienlandsitzen“ auf sich?

  • Laura

    Lieber Micha,
    Danke für den Artikel :-)
    Ich frage mich allerdings: Wie ist denn das in “echten” Gemeinschaften? Brauchen die Leute da kein Geld? Wird denen da nicht langweilig? Gehen die sich nicht auf die Nerven?? Und: Brauchen die keine Schokolade??? 😉
    Alles Liebe,
    Laura*

  • Felix

    Lieber Micha,

    Danke für diesen Beitrag und diese interessante Fragestellung. Ich bekenne gleich, ich bin kein Eurotopia-Leser, sondern wurde von einem anderen Freund der Idee der Familienlandsitze auf deine Frage aufmerksam gemacht.
    Ich glaube es gibt einen Unterschied, der schon im Namen drin steckt:
    Bei den Familienlandsitzen steht als Ideal die natürlich Familie im Vordergrund. Das ist bei “Gemeinschaften” z.B. wie ich es vom ZEGG gehört habe, nicht der Fall.
    In einer Familie (und Freunden, Bekannten und Nachbarn drum rum) treten die gleichen Konflikte auf, wie in Gemeinschaften, vielleicht sogar noch intensiver, denn es gibt nicht die Möglichkeit eines “Austauschens der Spiegel”. Das wird also nicht langweilig. Wenn man ein Problem mit seiner eigenen Mutter hat, dann gibt es keine Möglichkeit, dem zu entkommen. Irgendwann muss man dieses Thema bearbeiten, ob man will oder nicht.
    Wir waren gestern als Artabana-Gruppe wieder bei einem unsererer Mitglieder daheim und sie pflegt gerade ihre 83-jährige Mutter. Diese hat über 60 Jahre lang den Tod ihres Vater, Bruders und dann Ehemannes nicht aufgearbeitet. Jetzt tut sie das mithilfe ihrer bewussteren Tochter und schreit und heult eine Menge. Diese Konflikte können in Gemeinschaften mit Stellvertretern angeschaut und oft auch gelöst werden, ersetzen lässt sich das Band von Vater, Mutter und Kind zum Glück nicht, solange es Menschen auf dieser Erde geben soll.

    Ich bin deshalb auch fest davon überzeugt, dass eine blühende, gesunde Zivilisation nur auf der Grundlage von stabilen Familien möglich ist.

    Liebe Grüße

    Felix

  • Christoph aus dem Hause Loishandl

    Ich habe mich im letzten Jahr viel mit Anastasia und Familienlandsitze beschäftigt. Das liegt wahrscheinlich daran das ich bereits Gemeinschaftsformen erlebt habe und es mir auf Dauer zu eng wurde, da es keinen eigenen Platz nur für mich gab. Das wirkt vielleicht egoistisch ist aber im Grunde ein sehr gesunder Gedanke, denn sobald ich wieder Zeit nur für mich habe und mir meine Ruhe gönne, kann ich wieder voll und ganz für die Gemeinschaft da sein. In so einer Siedlung hätte man genügend Raum für sich und die Gemeinschaft. Vor allem ist sehr wichtig für unsere spirituelle Entwicklung einen Rückzugsort zu haben der sich mit unserer ganz eigenen speziellen Energie verbinden kann. Ein gesundes Mass an Individualität und Gemeinschaft wäre damit sicher gestellt. Vielen lieben Dank und herzliche Grüße

  • Christa Jasinski

    Lieber Micha, Familienlandsitze haben auch mit den üblichen Gemeinschaften wenig Gemeinsamkeiten. Hier geht es, wie der Name schon sagt, um Familien! Viele Menschen haben heute mit dem Thema Familie eher Probleme, weil verlernt haben, in Familien zu inkarnieren, die gleichzeitig mit uns Seelenverwandt sind. Die Familienlandsitze sind eine hervorragende Möglichkeit unsere Ahnenanbindung wieder zu finden und Familien zu schaffen, die tatsächlich nicht nur im Materiellen verwandt sind, sondern darüber hinaus auch im Spirituellen. Alle Seelen sind miteinander verbunden – außerhalb der Materie. Innerhalb der Materie sind wir Individualisten. Individualität bedeutet Vielfalt, denn wenn jeder einzelne in seine ursprüngliche Schöpferkraft kommt (wobei uns der Landsitz hilft), dann erweitern wir als Individuen Gottes Schöpfung. Schöpfer spüren, dass sie mit allem verbunden sind, aber als Indiviuum das Ganze erweitern können. In einem Kollektiv ist das nicht möglich, weil man dort, wie Du schon schriebst, einen Teil seiner Individualität aufgibt. Ein Mensch im Kollektiv sucht stets nach Kollektivantworten und sieht die Welt und das All nicht mit individuellen Sinnen. Er blickt ins All und sieht Sterne und Galaxien, sortiert und katalogisiert sie und spürt nicht, dass das All pures individuelles Leben ist. Viele „Sterne“ und „Galaxien“ sind saraphinische und cherubimische Wesenheiten – immense Geistseelenanhäufungen, die erst das Universum beleben und gestalten. Ein Wede (also ein Individualist auf seinem Landsitz) kann seinen „Stern“, seine „Galaxie“ spüren und sich mit ihm/ihr identifizieren, um dort in späteren Inkarnationen einen weiteren Stern belebbar zu machen. Er weiß, dass er Sterne, Planeten und Galaxien mit erschafft – ein Teil der Urschöpfung ist. Das Kollektivwesen analysiert in der Regel, satt das Gesamte zu betrachten. Aber auch das gehört zum großen Allmysterium dazu, wodurch sich letztendlich das Urschöpfungsprinzip sogar mathematisch belegen lässt. Dadurch, dass wir Kollektive schufen, entstanden die Priesterschaften und die eigene, individuelle Anbindung ans göttliche Geistfeld ging verloren. Individuelle Schöpfer spüren ihre direkte Anbindung an Gott. Und was die weiße Kleidung und das angeblich kitschige Gesnagsverhalten anbetrifft, so habe ich in kollektiven Gemeinschaften noch viel Heftigeres erlebt! Menschen, die bisher in einem dunklen Kollektiv lebten, müssen erst lernen, ihre kollektiven Verhaltensweisen wieder abzulegen und echte, schöpferische Individuen zu werden.

  • petias

    Ich hatte ein konkretes Erlebnis mit dem Forum von Weda Elysia. Das war damals noch offen zugänglich. Man hatte die Theorie, dass nur die “richtigen” Beiträge angezogen würden.
    Ich warf darin ein paar Gedanken auf, z.B. dass es doch oft engere Bindungen unter Freunden gibt, als zu Familienmitgliedern. Man legte mir nahe, die Bücher von Megre gründlich zu lesen.
    Ich stellte dann die Frage, was würde denn passieren, wenn sich ein homosexuelles Paar um einen Familienlandsitz in einer Familienlandsitz- Siedlung bewerben würde.
    Daraufhin wurde das Forum nur noch für Mitglieder zugänglich gemacht und ich und meine “ketzerischen” Fragen wurden ausgeschlossen.

  • Heike Kraft

    Lieber Micha, ich habe durch unterschiedlichen Schriftwechsel erfahren, dass Anastasia Gestalter und darunter auch das Deutsche Netzwerk von Familienlandsitzes sehr klar trennen zwischen Familie und Gemeinschaft. Ich erhielt die Aussage, dass Freunde und Seelenverwandte niemals eine Familie ersetzten können und daher es nach dem Gedanken von Anastasia auch nicht ratsam ist mit diesen Menschen einen Landsitz aufzubauen oder gar zu teilen. Eine gemeinshaftliche Teilung und Nutzung sei nicht vorgesehen da auch die Pflanzen und Lebewesen auf dem Lansitz nicht wissen können nach wem sie sich dann ausrichten sollen.

    Persönlich finde ich diese Haltung nicht einladend. Da ich über keine Familie mehr verfüge, kann ich meine Ursprungsfamilie hier nicht ansiedeln zumindest nach dem Verständnis von Anastasianern. Ich selbst weiß dass wir alle letztendlich verbandelt sind und somit sind für mich Gleichgesinnte und Seelenverwandte wesentlich näher als die “Familie”.
    Ich als Gemeinschaftssuchende wurde in diesem Netzwerk aus den genannten Gründen bisher nicht aufgenommen, mein Gesuch würde die Ausrichtung verwässern hieß es.
    Unseren Familienlandsitz haben wir zu zweit in bisher 5 Jahren selbst aufgebaut. Das ist aus meiner jetzigen Sicht nicht ratsam da sehr anstrengend, energieraubend und unwirtschaftlich.
    Ich strebe eine Gemeinschaft im Sinne des Dir oben genannten Zitates an und habe mich von der strikten vorgegebenen Struktur der Anastasianer verabschiedet.
    Es st eine wichtige Frage lieber Micha die Du da gestellt hast, dafür danke ich DIr denn sie hat mir Klarheit gegeben.