Post nach Newtopia 7


Newtopia_06032015_CandyKers

Zunächst: Ich bin schon auch neidisch auf die Leute, die Newtopia machen. Wer sind die überhaupt? Wer schaut sich das alles an und entscheidet, was zusammengeschnitten oder als Clip auf der Website gezeigt wird? Das muss ja der eigentliche Irrsinn an dem Projekt sein. Und neidisch bin ich, weil: Ich denke schon lange, dass Gemeinschaft einen prima Stoff für eine Dokuserie abgeben würde. Ich wäre nur niemals darauf gekommen (und hätte auch nicht das Kapital dafür), das komplett zu inszenieren. Und dass es so tolle Kameras gibt, mit denen das technisch möglich ist, ohne Kamera- oder Tonleute und ohne zusätzliche Beleuchtung zu drehen, wusste ich auch nicht. Der Filmemacher in mir ist also angefixt. Denn bei dieser Serie sind die Leute ja von Anfang an komplett daran gewöhnt, dass sie beobachtet werden. Wenn ich so in Sieben Linden drehen könnte: Die Diskussionen, die wir wegen dem Holunder hatten, der dem neuen Parkplatz hätte weichen sollen, aber von einer engagierten Baumschutzgruppe gerettet wurde… Die Intensivzeit, die Bewältigung von Konflikten, die Weichenstellungen für die Zukunft unseres Gartens… Eigentlich könnte ich mit den Mitteln von Newtopia dann den Film über Gemeinschaft drehen, den ich immer machen wollte. Einen Film über ein Leben voller echter Abenteuer… Ohne diesen gefaketen Bei-Null-Anfangen-Quatsch. Leider würden normale, vernünftige Menschen sich nicht unter Dauerbeobachtung stellen. „Newtopia“ wird es also immer nur mit ziemlich schrägen Vögeln geben (was nicht heißt, dass ich nicht auch mitmachen würde, wenn ich nichts Besseres zu tun hätte).

Ich bin also, man merkt es schon, nicht nur voller Abscheu, wenn es um Newtopia geht. Deswegen hab ich den „Pionieren“ auch einen Brief geschrieben mitsamt zwei meiner Bücher:

An
Die „Pioniere“ in Newtopia

Sieben Linden, den 5. März 2015

Liebe Leute,

ich habe von eurer neuen Gemeinschaft in Königs Wusterhausen erfahren und möchte vorschlagen, euch in unserem Verzeichnis von Gemeinschaften zu veröffentlichen. Ich wäre sehr gespannt darauf, wie ihr euch selbst beschreiben würdet. Auf jeden Fall will ich euch anbieten, Erfahrungen aus dem Gemeinschaftsleben zu teilen. Viele Gemeinschaften sind ja schon sehr lange und erfolgreich unterwegs, zur Ansicht liegt unser aktuelles Verzeichnis bei. Das Ökodorf Sieben Linden, in dem ich lebe, gibt es schon seit 1997. Anfangs gab es auch nur ein halbfertiges Haus; inzwischen stehen hier 10 große und gemütliche Wohngebäude, wir haben vernünftige Strukturen zur Entscheidungsfindung und obwohl damit einige Regeln eingezogen sind (ich würde es lieber „Vereinbarungen“ nennen), lebt es sich hier wunderbar. Auch wenn selbst wir noch weit von einer idealen Gesellschaft entfernt sind. Ein Buch zum Dorf habe ich ebenfalls beigelegt – als Inspiration!

Praktischer wären vielleicht noch Bücher zu gewaltfreier Kommunikation oder Permakultur, aber so wie ich das verstanden habe, darf ich euch in Newtopia nichts schenken – entsprechende Bücher müsstet ihr also selber bestellen. Ich hoffe, „eurotopia“ und „Öko Dorf Welt“ gehen als Ansichtsexemplare durch…

Mit freundlichen Grüßen,

Micha Würfel
eurotopia

Heute Donnerstag ist rein technisch der erste Tag, an dem das Ankommen meines Briefes abends im Fernsehen zu sehen sein könnte. Ich weiß schon, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Sehr, sehr unwahrscheinlich. Aber cool wäre es schon, wenn in Newtopia alle Schlange stehen würden, um in „eurotopia“ oder „Öko Dorf Welt“ zu schmökern… Und wenn sie sich überlegen, wie sie sich im eurotopia-Verzeichnis selbst beschreiben würden…


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7 Gedanken zu “Post nach Newtopia

  • wolfgang

    Hm – also das mit dem “… ohne Kamera- oder Tonleute und ohne zusätzliche Beleuchtung …” mag mir sehr schwer fallen zu glauben. Da glaube ich eher an die perfekte Illusion.

  • Michael Würfel

    Kleiner Nachtrag, eine Woche später: Ich habe mit dem Edeka-Mitarbeiter telefoniert, der bisher die Lieferungen nach Newtopia gefahren ist – er sagte, dass seitdem nichts mehr bestellt worden ist. Eurotopia hat es also noch nicht in die Fernsehgemeinschaft geschafft… Nächste Woche, hofft er… Bin gespannt, ob Sat1 uns reinlässt.

  • karin schulthess

    Hallo Leute …..ich bin echt schockiert über die Falschheit und Verlogenheit von Kalle und Payman in der Sendung von Freitag 13 März. Die Intrige Hans gegenüber geht gar nicht, ihn zu provozieren damit er ausrastet finde ich unter aller sau. Ich hoffe wirklich, dass ihre Rechnung nicht aufgeht, wenn ich könnte würde ich die 2 so was von bloßstellen , aber leider weiß ich nicht wie!

  • nittel5354@t-online.de

    Es ist eine Sauere wie Candy überall hin Pist, den müßte man mal richtig bestrafen. Er müßte die Srafe von 5000 € bekommen.

  • Heckler, Inge

    Hallo, Newtopianer!
    Ihr könnt einfach mit Geld nicht umgehen! Wozu kauft Ihr da Schminke,Alkohol, Zigaretten,Unmengen Kaffee und sonstigen Kram, auf den man eben verzichten muss, wenn man kein Geld hat. Nun sieht man oft viele von Euch in der Sonne rumliegen. Seht lieber zu, dass Ihr Euch etwas schafft!
    Sagt auch endlich mal Candy die Meinung, denn er lebt gut im Schatten der Gemeinschaft, macht jedoch nichts für sie. Es ist nicht in Ordnung, dass der Ton bei Euch immer ordinärer wird. Laßt Euch auch von Besuchern nicht alles andrehen! Schämt Euch, dass Ihr Kalle nicht helft, wenn er Euch braucht. Viele von Euch sind sehr bequem geworden! Gruß Pauline

  • Hartmut , Jurkiewicz

    Hallo Andrea, ich habe deine Ängste vor der Nominierung gespührt und ich hätte dich zum Trost gern in die Arme genommen. Aus meiner Sicht muss Du Dir keine besonderen Sorgen. Versuche vielleicht einen Platz zu finden, wo Du Dich richtig nützlich machen kannst. Ich finde, du bist eine starke, streitbare Frau, mit einer hohen sozialen Intelligenz. Damit sich die Gesellschaft endlich entwickeln kann, sollten nach meinen Kenntnissen folgende Personen in folgender Reihe herausgewählt werden: Cendy, Hans, Peymen und unser nutzloses, intellektuelles Erdmänchen, die Candy immer und überall bestärkt. Wodurch kann die euch nützlich sein?
    Versucht doch mal, eine Struktur mit Verantwortlichkeiten aufzubauen. Selbst in der Urgemeinschaft konnte man nur so überleben.
    Solche wie Candy hätte man schon lange nicht mehr in die Höhle gelassen. Seine Autonomybemühungen müsste in voller Konsequenz durchgezogen werden. Im Moment arbeitet ihr alle für ihn. Vielleicht kannst du mir antworten. Habe noch viele wichtige Ideen. Bis dahin bleibe ich dir in meinen Gedanken verbunden. Von Herzen alles,alles Gute!
    Hartmut

  • komoll

    Hallo Vati
    würde dir gerne mal eine Zigarre schicken
    weiß aber leider nicht wo hin
    bis ein super Typ und bleib so wie du bist
    Klaus und Daniela