Gemeinschaften in der Pandemie


Wie geht es eigentlich den Menschen in (anderen) Lebensgemeinschaften in Zeiten von Kontaktverboten und Abstandsregeln? Das habe ich mich als Bewohner des Ökodorf Sieben Linden gefragt und habe vermutet, dass es auch unsere Leser*innen interessiert. Also habe ich alle Gemeinschaften angeschrieben, die sich im aktuellen eurotopia-Verzeichnis vorstellen, und danach gefragt. Die Flut von Antworten war (ist!) überwältigend, und ich komme kaum dazu, diesen Riesenschatz von Berichten zu einem Newsletter zu verschnüren und zu verschicken, weil immer noch was eintrudelt, das ein interessantes neues Licht auf die Sache wirft. Es ist wirklich viel zu lesen geworden (siehe unten oder auf https://eurotopia.de/newsletters/eurotopia-Newsletter_April2020.html auch auf englisch).

Zwar gelten die weltweit ähnlichen Verordnungen auch für Menschen in Gemeinschaften, aber unsere „Hausstände“ umfassen bisweilen Dutzende von Menschen, und unsere Kontakte nach „außen“ lassen sich oft so gut regulieren, dass sich eine Gemeinschaft fast in Quarantäne begeben kann, ohne ihren Alltag allzu sehr umzustellen. In vielen Gemeinschaften werden zu Zeiten geschlossener Schulen die Kinder gemeinsam betreut – sie leben sowieso auf dichtem Raum zusammen, oft wie in einer gemeinsamen Quarantäne. Und wenn eine Isolation außerhalb der Schulzeiten nicht möglich ist, wäre sie für den Heimunterricht auch sinnlos.

Oft werden die offiziellen Vorgaben zwar zum großen Teil umgesetzt, aber es wird weiter für alle gekocht und manchmal finden Treffen oder Sportangebote innerhalb der Gemeinschaft weiter statt – zuweilen dann eben mit Abstand. Eine deutsche Gemeinschaft hat in ihrem letzten Newsletter ganz offen geschrieben, dass sie „näher zusammenrücken, statt auf Abstand zu gehen“ – bisher hatte es keine Folgen, das offen zuzugeben.

Eine Antwort auf meine Mail an die Gemeinschaften lautete: „…ich bin sicher, dass auch Ihr Euch im „Dorf ohne Kirche“ (das ist der Titel meines Buches über das Ökodorf Sieben Linden, MW) weiterhin in die Arme nehmt, … vielleicht etwas weniger oft, aber deshalb nicht weniger herzlich“.

Distancing!Tatsächlich nehmen wir uns nur noch innerhalb der Gruppen in die Arme, in denen wir sowieso eng zusammen leben. Die 1,5 m Abstand sind mir schon zur Gewohnheit geworden, wenn ich durchs Dorf spaziere (das muss ich allerdings manchmal, denn wir teilen uns Speisekammer, Waschmaschine, Postecke und vieles mehr). Momentan grüble ich hin und her, ob ich mich mit einer Freundin treffen darf, die nicht Teil meiner „Bezugsgruppe“ ist – man könnte also schon sagen: Wir nehmen das Ganze ziemlich ernst in Sieben Linden. Uns sind auch wirtschaftlich stark betroffen. Wie viele Gemeinschaften bieten wir eine breite Palette von Kennenlern- und Bildungsangeboten an, was normalerweise viele Leute in Lohn und Brot hält; außerdem sind Freiwillige im Bildungsbetrieb beschäftigt (Freiwilliges Ökologisches Jahr, Bundesfreiwilligendienst, European Voluntary Service). Wir hoffen, dass wir mit Kurzarbeit (danke, Staat!) einigermaßen über die Runden kommen, und die Freiwilligen dürfen, statt Frühstück für Gäste aufzubauen, auf der Baustelle unseres Gästehauses mithelfen. Genug zu tun gibt es jedenfalls noch viele Wochen lang.

Einige Berichte aus den Gemeinschaften sind frustriert. Anton Marks aus dem Kibbutz Mishol (Israel) schreibt: „Ich habe mein halbes Leben damit verbracht, meine Haustür zu demontieren, absichtlich, Scharnier für Scharnier. Jetzt muss ich sie wieder einbauen, ich habe keine Ahnung, wo ich sie hingeräumt habe, und selbst wenn ich sie einbauen kann, ich weiß gar nicht mehr, wie man sie bedient.“

Frits von Amsterdam Catholic Worker, wo jeder mit Symptomen sofort isoliert wird, fühlt sich in der eigenen Gemeinschaft eingesperrt, schlimmer als im Gefängnis. Er beugt sich den Entscheidungen seiner Gemeinschaft und vermisst die Freiheit, mit der möglichen Infektion so umzugehen, wie er es für richtig hält. Er findet, das Auto- oder Handybesitz im Endeffekt auch Menschen tötet (vermutlich durch die Folgen der Produktion und des Rohstoffabbaus beim Handy und durch die Folgen des Betriebs beim Auto, MW), dass diese Entscheidung aber jedem Gemeinschaftsmitglied selbst überlassen wäre – im Gegensatz zum Verhalten bei einer möglichen Infektion.

In meiner Gemeinschaft – und offensichtlich in den meisten anderen auch – sind wir uns bewusst darüber, dass eine Infektion mit dem aktuellen Coronavirus für die meisten Menschen zwar ungefährlich ist, für einige aber fatale Folgen haben könnte, und dass die Krise für manche einfach nur schrecklich ist. Aber wenn Gemeinschaft sich hier bewährt, ist das auch ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion.

Ich vermute, dass Menschen, die in vertrauter Nachbarschaft leben und mit konstruktivem Austausch vertraut sind, weniger leicht in Angst und Panik geraten. Vielerorts zeigt sich, dass eine Gemeinschaft ein guter Ort ist, wenn eine Bedrohung „von außen“ kommt. Manche erleben sogar mehr Gemeinschaft in diesen Zeiten, weniger Stress und eine besondere Zeit im positiven Sinn: Vielen Gemeinschaftsbewohner*innen scheint es richtig gut zu gehen. In der Giesserei in der Schweiz wird jeden Abend von den Balkons gesungen, in Pendragon (England) sind einige froh, dass mal Ruhe einkehrt statt des ewigen Kommens und Gehens und anderswo sind Wandergesellen länger als geplant geblieben und bauen mehr, als erhofft war. Viele Kinder sind im siebten Himmel: Es sind Ferien, aber niemand fährt im Urlaub, alle sind da! Paradiesisch!

Ich lese zwar, dass in vielen Fällen Gefährdete sich innerhalb der Gemeinschaft stärker isolieren oder sogar die Gemeinschaft vorübergehend verlassen, um sich zu schützen, aber auch, dass sich die Gemeinschaften in der Nachbarschaftshilfe engagieren und sich solidarisch eben auch mit der „Außenwelt“ fühlen.

Ich lese von Hoffnung, dass die Pandemie nachhaltig positive Auswirkungen haben wird (Tamera) – und von Zweifeln darüber. Wir erleben gerade eindrucksvoll, dass weltweit koordiniertes Handeln trotz wirtschaftlichen Einbußen möglich ist – warum werden Flug- und überhaupt Vergnügungsreisen nicht einfach deswegen eingeschränkt, weil sie katastrophal zum Klimawandel beitragen, warum braucht es dafür eine Pandemie? – aber dafür wächst der Druck, die verpassten Gewinne in diesem Geschäftsjahr möglichst noch nachzuholen. Roger aus der Pendragon Community in England schreibt:

Einige Leute denken, dass diese Situation positive Auswirkungen haben könnte, wie die sozialere Einstellung nach dem 2. Weltkrieg; dass sie unseren mörderischen Angriff auf unseren Planeten mildern könnte, aber ich wäre überrascht. Im Allgemeinen denke ich, dass die Einschränkungen, welche die gegenwärtige Situation verursacht, die Menschen wahrscheinlich rücksichtsloser macht, wenn sie in der Lage sind, wieder „normal“ zu handeln.

Selbstverständlich gibt es unter den Gemeinschaftsbewohnenden auch etliche skeptische Menschen, die mit den staatlichen Maßnahmen nicht einverstanden sind – wunderbar abgeklärt gefällt mir hier der wieder geheimnisvolle Text des Saor Thoil Clan, in dem klargestellt wird, „dass wir als Clan fremden Politikern und ihren Gesetzen keine Treue schulden“ und das man eigentlich leicht ein Antiserum gegen den Virus gewinnen könnte… Auch im Valley of Peace in Portugal ist man unbeschwert, weil: „wir haben einen Mitbewohner der die Aura sehen kann und er entscheidet im Moment, ob und wen wir aufnehmen“. Wir haben eben eine sehr große Vielfalt von Weltanschauungen im eurotopia-Verzeichnis vertreten (mit klaren Grenzen, was Gewalt, Rassismus oder andere Missachtungen der Menschenwürde angeht).

Und: In jeder Gemeinschaft sind die Perspektiven sehr unterschiedlich. Eine der Herausforderungen besteht darin, eine gemeinsame Linie bei einem Thema zu finden, das eben nicht nur eine Privatangelegenheit ist, wenn man kein ganz privates Leben führt.

In einem der folgenden Berichte las ich: „Gelebte Lebensfreude ist die beste Immunisierung“ – und das ist ein vorherrschendes Argument. Oft sind die staatlichen Vorschriften, die natürlich schnell ausgearbeitet wurden und einfach zu interpretieren sein müssen, alles andere als perfekt, wenn es um die Frage geht, was zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einer bestimmten Situation tatsächlich am besten ist. Gemeinschaften sind oft in der Lage, die Ziele offizieller Richtlinien noch besser umzusetzen. Gemeinschaften sind sowieso geübt darin, auf freiwilliger Basis gute Regelungen für sich selbst zu finden, und sie bestehen aus Menschen, die genauso klug sind wie der Rest der Gesellschaft. Sie sind ja auch Teil davon: Kranke Menschen in Gemeinschaften möchten in der Regel genauso im Krankenhaus behandelt werden wie Menschen, die nicht in Gemeinschaften leben. Deshalb müssen die Regelungen innerhalb der Gemeinschaft – so meine persönliche Meinung – sich schon mit den Gefährdungseinschätzungen staatlicher Stellen beschäftigen und damit korrespondieren. Im Großen und Ganzen scheinen Gemeinschaften ja auch sehr kooperativ zu sein (siehe unten), aber bei einigen Vorgaben macht es Sinn, sie anzupassen (z.B. Kinder, die sowieso zusammenleben, zusammen draußen spielen zu lassen).

Lesenswert ist der Bericht eines Gemeinschaftsprojektes in der Algarve – dort wurden alle möglichen Leute, die von der Pandemie überrascht wurden, aufgesammelt und in die Gemeinschaft aufgenommen. Dort sind sie jetzt auch schon alle durchimmunisiert; sie haben die Corona-Bedrohung hinter sich.

Was ich an den unten versammelten Aussagen am Bewegendsten finde (zum Beispiel bei Solens Hjerte in Dänemark), ist das Mitgefühl und die Demut in vielen Berichten. Ich lese keine Überheblichkeit, weil man sich in Gemeinschaft oft noch in einer besseren Lage befindet als wenn man die Krise allein durchstehen muss – sondern eine stille Dankbarkeit, und eine Solidarität mit denen, die mehr leiden müssen. Das macht mir Hoffnung für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass wir Menschen in Zukunft noch andere Ausnahmezustände bewältigen müssen. Gemeinschaftsbewohner*innen bleiben verbunden mit ihren Mitmenschen, und die Einladung, in Gemeinschaft zu leben, steht.

Und dafür stehen ja auch wir mit dem eurotopia-Verzeichnis.

Michael Würfel


 

Im Folgenden sind viele der Antworten abgedruckt, die wir auf unsere Anfrage erhalten haben – manchmal ohne Namen, weil die Umsetzungen der Corona-Verordnungen zuweilen nicht genau den behördlichen Vorgaben entsprechen. Die Gemeinschaften sind ganz grob geografisch sortiert/zusammengefasst, und die englischen Antworten wurden von DeepL übersetzt (deepl.com) und nur leicht nachkorrigiert. Die Originaltexte sind im englischen Newsletterteil zu finden.

 

Brot & Rosen (Hamburg)

Ich denke, als Gemeinschaft haben wir es in der Corona-Krise verhältnismäßig sehr gut. Wir haben Menschen um uns herum, wir haben mehr Platz als Kleinfamilien oder Alleinstehende, immerhin haben wir einen kleinen Garten und Hinterhof (auch in der Großstadt), es gibt was zu tun, auch wenn die Erwerbsarbeit außerhalb reduziert ist…

Wir haben natürlich bei einem Haushalt von über 20 Menschen auch mehr Möglichkeiten, das C.Virus ins Haus zu bekommen, was nicht für alle ohne Probleme wäre (zumal wir einige Menschen ohne Krankenversicherung haben), aber bisher sind wir gut durchgekommen. Panik gibt es bei uns keine, eher Ärger über die zunehmend absurden politschen Restriktionen gegen die ja nur zaghaften bzw. sehr umsichtigen Versuche, sich in der Öffentlichkeit politisch zu äußern – zu den Lagern in Griechenland, zu den Geflüchteten auch hier, etc. #LeaveNoOneBehind, etc. Das ist schon beängstigend, wie total(itär) da gerade unterbunden und durchregiert wird!

 

Eine Gemeinschaft bei Berlin

Als kleinere, im Durchschnitt eher ältere Gemeinschaft (11 Erwachsene, 4 Kinder, 4 Personen über 65 Jahre) mit mehreren Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Corona zu sterben, haben wir uns dafür entschieden, den wenigen Kindern weiter einzelne Außenkontakte zu ermöglichen und gleichzeitig die älteren so gut wie möglich zu schützen. Das bedeutet, dass der Riss mitten durch unsere Gemeinschaft geht. Die Älteren und die Jüngeren haben sich weitestgehend separiert. Der Gemeinschaftsraum nebst Großküche wird von den beiden Familien mit Kindern nicht mehr genutzt und bleibt den Älteren vorbehalten.

So kommen die Älteren mit den Jüngeren und den Kindern nur noch sporadisch im Freien auf dem Hof oder sehr selten mal abends am Feuer (auf gegenüberliegenden Seiten sitzend) in Kontakt. Klar unterstützen wir uns: Die Jüngeren kaufen weitestgehend für die Älteren mit ein, wenn mal was aus der Stadt besorgt werden muss (sonst Bestellung beim Großhandel) – und die Älteren kochen ab und an für die eingespannten Familien mit. Da die Jüngeren durch gleichzeitiges Studieren bzw. Arbeiten und Betreuen der Kinder zu Hause extrem vielbeschäftigt sind, ist ihre Teilnahme am Plenum und an Gemeinschaftsaktionen (Hof aufräumen, Baustelleneinsätze) sehr eingeschränkt. Es entstehen gerade neue Sub-Gemeinschaften auf dem Hof: die Älteren rücken näher zusammen und auch wir Elternpaare und die Kinder sind enger zusammengerückt. Wir kochen und essen jeden Tag gemeinsam Mittagessen, wechseln uns bei der Kinderbetreuung ab – wir haben jetzt unsere eigene „Waldkita“ für 4-5 Kinder – und tauschen Gedanken, Gefühle und ab und an eine Umarmung aus – selten geworden und sehr kostbar, Berührung außerhalb des Kreises der eigenen Kleinfamilie.

So schön ich es finde, wir wir uns gegenseitig unterstützen, so traurig finde ich es, mit den Älteren nicht mehr beisammen sein zu können. Leider verlagert sich die Kommunikation auch nicht auf andere Kanäle, sie findet schlicht nicht mehr oder nur noch sehr punktuell statt. Ich mag mir momentan nicht ausmalen, dass dies länger als bis zum 19. April dauert; und ahne doch, dass wir diese Trennung noch lange werden aufrechterhalten müssen – was wird das mit uns als ehemals generationsübergreifender Gemeinschaft machen? Und weitergesponnen, da ich unsere Gemeinschaft immer wieder als Abbild der gesamtgesellschaftlichen Prozesse erlebe – was wird das mit unserer Gesellschaft machen, dass wir uns über länger Zeit so voneinander abzuschotten gezwungen sehen?

Unsere Älteren haben sich entschieden, ihre Kinder und Enkel vorerst nicht mehr zu sehen. Und so haben wir auch den Kennenlernprozess für mehrere Familien auf Eis gelegt. Allerdings zweifle ich inzwischen an der Richtigkeit dieser Entscheidung. Zumindest wir Jüngeren, die wir ohnehin z.T. draußen arbeiten, einkaufen und Kinder betreuen (auch einzelne Kinder, die nicht bei uns leben), könnten doch das „Risiko“ eingehen, und den Prozess – langsamer vielleicht, aber doch: fortsetzen.

 

Ganesha-Hof Linde (bei Oranienburg)

Hier melden sich Erika und Justus aus der freiwilligen Quarantäne im Ganesha-Hof in Linde (soll in den nächsten Monaten zu einer Gemeinschaft anwachsen, momentan leben dort eben nur die genannten zwei Menschen, MW). Natürlich werden zurzeit keine üblichen Gemeinschaftstreffen durchgeführt. Wir gehen auch davon aus, wenn sich die Corona Maßnahmen etwas lockern, dass wir Alten doch noch weiter freiwillig oder unfreiwillig isoliert werden.

Mit Sorge sehen wir zur Zeit über Verbote. Warum macht man sich keine Gedanken darüber, wie man sich trotzdem mit ausreichender Sicherheit begegnen kann, wie sieht der zukünftige sichere Arbeitsplatz aus. Es werden sehr viele Kleinunternehmer ihre Existenz verlieren; ist das doch eine Strategie? Wir dürfen nicht mehr in den 10 km entfernten Landkreis Ostprignitz-Ruppin reisen und dort unser Kajütboot benutzen. Wir würden bei Benutzung unseres Bootes keinem einzigen Menschen begegnen. es fehlt überall eine differenzierte Betrachtungsweise.

 

Eine Gemeinschaft bei Magdeburg

Wir leben zu fünf Erwachsenen und vier Kindern hier und sind hier wie eine Quarantäneeinheit. Daher ändert sich im Alltag erstmal nicht so viel.

Die vier Kinder verbringen hier jetzt viel Zeit miteinander, mehr als sonst denn sie sind (sonst) alle in verschiedenen Schulen und Kindergärten. Für die Eltern ändert sich der Arbeitsalltag, weil sie teilweise freigestellt sind von ihrem Job oder reduziert arbeiten, andere arbeiten weiter im regulären Büro oder im Homeoffice.

Es waren schon in der Prä-Corona-Zeit reisende Gesellen auf der Baustelle der Gemeinschaft, die ihre Wanderung auf einem anderen Kontinent fortsetzen wollten. Sie sind jetzt bei uns auf der Baustelle geblieben was für den Fortschritt der Bauarbeiten sehr hilfreich ist.

Unser Café ist geschlossen, Kurzarbeitsgeld ist beantragt und wir hoffen auf Unterstützungszahlungen für die Einnahmeausfälle.

Wir freuen uns in dieser Zeit einmal mehr drüber ganz nah an der Natur zu leben und immer mal wieder raus zu kommen um Abstand zu kriegen vom gemeinsamen Alltag.

 

Jakobgut (bei Plauen)

bei uns ist eines der Probleme, dass wir sozusagen ja zumindest teilweise in zwei Objekten leben, die Kilometer voneinander entfernt liegen.

Faktisch besteht hier derzeit in Sachsen ein politisch gewolltes Willkürregime durch die Polizei auf Grundlage einer in weiten Teilen vage gefassten Notstandverordnung.

Der Innenminister lehnte es ab, Vorschriften aus der Allgemeinverfügung genauer zu fassen. Verwirrung hatte es gegeben, welche Entfernung unter das „Umfeld des Wohnbereichs“ falle, in dessen Rahmen man Sport treiben und spazieren gehen dürfe. Man wolle keine „Krisen-Bürokratie“ aufbauen, sagte Wöller. Derartige Vorgaben seien „nicht notwendig und nicht praktikabel“.

wir verstehen uns als ein Raum, in dem Menschen leben können, die Pharmazielogik ablehnen. Ein Zwang auf den Einzelnen dazu sie abzulehnen besteht nicht (auch im realen Zusammenleben, nicht nur auf dem Papier), wir verlangen aber allen ab die zu respektieren, die zu der im ersten Satz genannten Gruppe gehören.

Tatsächlich erlebten wir nun, dass ein Mitbewohner sich lieber woanders aufhält bis die Situation sich wieder geändert hat. Auch insofern hat die Situation Auswirkungen auf unser Gemeinschaftsleben.

 

Eine Gemeinschaft in Sachsen

Corona und das Leben in Gemeinschaft:

Lebensfreude ist die beste Immunisierung

Heilung bewirken da, wo etwas aus der Ordnung gefallen ist

 

Wie überall riefen die immer krisenhafter werdenden Zustände in den letzten Wochen auch bei uns die unterschiedlichsten Reaktionen hervor: Soll man sich jetzt bevorraten? Ist das alles nicht völlig aufgebauscht? Wie soll das gehen, Rückzug innerhalb der Gemeinschaft?

Die Gefühlslage reichte von größeren Befürchtungen über völlige Angstfreiheit bis zu Widerstandsimpulsen gegen das Regulariums-Szenario in der Gesellschaft. Ein wirklich intensiver Austausch trug dazu bei, dass sich die Wogen alsbald glätteten. In großer Runde nahmen wir uns viel Zeit, einander all unsere Hoffnungen und Ängste mitzuteilen und dann wahrzunehmen, was jeder Einzelne braucht, um in diesen Zeiten so entspannt wie möglich bleiben zu können.

Was sich als Gemeinsames herauskristallisierte, war zum einen die Prämisse, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist und in dieser Eigenverantwortung zugleich Rücksicht auf den jeweils anderen in der Gemeinschaft nimmt – und zwar ohne Wertungen oder gar Beschuldigungen. Zum Zweiten: Gelebte Lebensfreude ist die beste Immunisierung.

Und so setzen wir unser Gemeinschaftsleben mit Angeboten zur gemeinsamen Arbeit unter freiem Himmel, mit Lieder-Nachmittagen (Heilmantras!), Heilkreisen, Meditation, Feldenkrais, Yoga u.a.m. in aller Achtsamkeit fort. Ja, wir versuchen jetzt erst recht, heilende Impulse in die Welt zu bringen. Viel Zustimmung gibt es dafür, meditativ und gedanklich miteinander eine Art heilendes Feld, ein Feld der Gesundheit, Liebe und Fürsorge zu schaffen.

Was allein hier durch die größere Ruhe am Platz für ein wunderbares Feld entsteht, spiegeln uns am ehesten die Kinder wider: Sie haben noch nie so herrlich „am Stück“, wirklich ganze Tage lang alle miteinander spielen können. (Im Moment spielen sie altersübergreifend „wir gehen zur Schule“…)

Wir kochen weiter füreinander und haben vereinbart, uns am Buffett schweigend zu bedienen. Wer möchte, zugleich meditativ und gefüllt mit guten Gedanken. Dass dem ein intensives Händewaschen voraus geht, versteht sich. Bei Einkaufsdiensten kann man in Auftrag geben, was man aus der Stadt mitgebracht haben möchte. Die begnadetste Näherin von uns näht Schutzmasken, von denen insbesondere jene Gebrauch machen, die auswärts arbeiten.

Unsere Gemeinschaftsräume, so unsere Vereinbarung, reinigen wir mit biologischen und mit selbst hergestellten Reinigungs- bzw. Desinfektionsmitteln (allein schon deshalb, weil unsere Pflanzenkläranlage die üblichen chemischen Desinfektionsmittel nicht „verdaut“). Allen Gemeinschaftsmitgliedern wird dringend empfohlen, diesem Grundsatz auch in den jeweils privaten Räumen zu folgen. Eine derzeit leer stehende Wohnung wurde für einen eventuellen Quarantänefall zur Isolierung der oder des Betroffenen vorgesehen – zum Glück sind noch alle gesund.

Zusammenkünfte versuchen wir im Freien stattfinden zu lassen. Wer sich zurück zieht, soll zuverlässig über das Geschehen ins Bild gesetzt werden, das ohne ihn stattfand. Beim Begrüßen und Verabschieden voneinander sind inzwischen schon allerlei neue kreative Rituale entstanden, die auch ohne direkte Berührung auskommen!

Öffentliche Gäste empfangen wir seit ca. Mitte März nichtmehr, auch Führungen und Infotage sagten wir ab. Privat darf jeder Gäste empfangen, allerdings sollen sie sich dann nicht in den öffentlichen Räumen aufhalten – es wird davon aber so gut wie kein Gebrauch gemacht.

Uns selbst war es in den letzten Wochen eine wahre Eröffnung, in unseren Grundsätzen, verfasst noch am Ausgang des 20. Jahrhunderts, das Folgende zu lesen, mit dem die GründerInnen weiser nicht hätten vorausschauen können:

„Diese Gemeinschaft und dieser Platz dienen der Heilung und der Verwirklichung eines liebenden, vertrauensvollen Miteinanders allen Seins. Wir wollen Heilung bewirken da, wo etwas aus der Ordnung gefallen ist und schließen uns selbst und andere Menschen, Tiere und Pflanzen, alle Wesen und Elemente und unseren Planeten Erde mit ein.“

 

Saor Thoil Clan (bei Coburg)

wir sind ohnehin isoliert und haben fast garkeinen physischen Kontakt zu Aussenwelt. Alle Versorgungs- und Infrastruktur Systeme funktionieren autonom.

Desweiteren möchte ich darauf hinweisen, dass es immer noch die kurzen Wege der Immunisierung gibt, und zwar der Gewinnung von Serum von bereits Infizierten, deren Immunsystem das Virus besiegt hat, daraus ließe sich schon jetzt ein Antiserum gewinnen. Das wird nur deswegen nicht gemacht, da das System mal wieder zeigen will, wie wahnsinnig toll sein überteuerter Pharma-HokusPokus ist. Die Preise, der HIV Präparate, die teils zur Bekämpfung dieses Schnupfens ,der in den meissten fatalen Verläufen eine Co-Indikation darstellt, verwendet werden, sprechen Bände. Auch die absichtliche Verbreitung des Virus, als auch massiver Desinformation und Panik ist wieder anzunehmen.

Wir halten daher das „Krisen“-Management der Systemlinge für den üblichen verantwortungslosen Macht- und gewinngetriebenen trübsichtigen Aktionismus, für den sie bekannt sind. Grundsätzlich haben wir unsere eigenen Protokolle für ABC Bedrohungen, und verwenden dieselben aufgrund höherer Wirksamkeit auch in diesem Fall.

Es sei auch gesagt, dass wir als Clan fremden Politikern und ihren Gesetzen keine Treue schulden – Ein System von Wahlen und geschriebenem Recht ist ein Vergehen wider die Natur, und seine regelmäßigen Versuche das Leid und die Angst der Vielen zum Ausbau seiner totalitären Tendenzen zu verwenden, kann nur als pervertiert bezeichnet werden.

 

Kooperative Dürnau (nahe Ulm)

Gekocht wird für alle, dann das Essen zu den verschiedenen Häusern gefahren, wo wir in Gruppen gemeinsam unsere Mahlzeiten einnehmen. Wir haben somit nur darauf verzichtet, uns vor dem Speisehaus zu versammeln, um dem Dorf unsere Bereitschaft zu demonstrieren. Ob die gesamte Kooperative eigentlich als ein “Haushalt“ angesehen werden müsste, ist vermutlich nicht binnen nützlicher Frist zu klären.

Die gemeinsame Kinderbetreuung setzen wir fort, für ein schulpflichtiges Kind habe ich mich bereit erklärt und unterrichte nun jeden Morgen.

Für unsere Gäste beachten wir, dass sie nicht aus den “Risikogebieten“ kommen, die das Land BaWü auf der Website benennt. Im Bedarfsfall werden wir mit den Gästen einen Praktikums-Vertrag abschließen.

Unsere Betriebe laufen ohne bedeutsame Änderung. Die Gärtnerei bittet die Kunden um Abstand und im Vertrieb können wir derzeit nur geringe Mengen Hände- und Flächen-Desinfektionsmittel anbieten, da Sonett mit der Produktion nicht nachkommt.

Erstaunlich sind die vermehrten Anfragen nach Besuch und Beschäftigung. In den letzten Wochen waren es sechs Anfragen, was für uns ungewöhnlich viel ist und überraschenderweise waren darunter drei Doktoren…

 

Nature Community (bei Regensburg)

Was für ein Privileg es ist, sich in einer solchen Zeit der äußeren Krise in den Armen der Großfamilie unserer Lebensgemeinschaft geborgen und gehalten zu fühlen.

Runa: „Ich bin sehr dankbar, dass ich in Gemeinschaft lebe. Für uns verändert sich fast nichts im sozialen Kontakt miteinander und das ist ein Riesengeschenk. Gerade in dieser Zeit wird deutlich wie sinnvoll und notwendig es ist Gemeinschaften aufzubauen“

Es ist eine geschenkte Zeit um Gruppen-Kohärenz zu kultivieren und dadurch kreativ mit der Krise umzugehen, anstatt auf den Zug der Angst aufzuspringen.

Karin: „ Ich finde es toll, dass ich die Tür aufmachen kann und in der Natur stehe und deren Fülle uneingeschränkt genießen kann.“

Carina: „In Krisenzeiten wie diesen sehe ich einen ungeheuren Wert darin, durch meine Gemeinschaft getragen zu sein und zu tragen. Es ist nicht selbstverständlich mehr Verbundenheit anstatt Isolation zu erfahren“

Für uns ist klar: Wir nutzen dieses Geschenk, für uns und für den Wandel!

Gerheart „Eine tolle Gelegenheit innezuhalten und gemeinsam eine veränderte Welt aufzubauen, die nicht mehr dieselbe sein wird wie vor Corona. Dezentral verbunden sein und mit weniger auskommen. Dem Planeten und uns selber kreative Erholungszeit gönnen.“

Die strengen Auflagen in Bayern erlauben keine Besuche bei uns und wir befolgen diese Anweisungen. Wir selbst bewegen uns ebenfalls nur in dringenden Fällen weg vom Gelände der NC. Wichtig ist uns hier ein hohes Maß an Selbstverantwortung und dass der Vorgang im Kreis transparent gemacht wird.

Nach 4 Jahren des Projektaufbaus mit viel Dynamik wird dies von vielen als wohltuend empfunden.

Unsere älteren und anfälligen Mitglieder schützen wir, sofern sie das selbst möchten. Die einen Einige ziehen sich vollkommen in ihren Bungalow zurück, andere sind voll dabei im Geschehen.

Wir fühlen uns als Familie und halten untereinander keinen Sicherheitsabstand ein. Bei Mitgliedern, die von Reisen zurückkehren verzichten wir zunächst auf Körperkontakt und halten einige Tage lang angemessenen Abstand ein.

Wir haben bei unserem Stein-Monument unterhalb der Restaurantterasse eine Hygienestation eingerichtet und jeder ist angehalten sich dort gründlich die Hände zu waschen, nachdem er z.B. beim Einkaufen im Ort war. Vor den Mahlzeiten waschen wir uns ebenfalls gründlich die Hände, unser Essen holen wir schweigend am Buffet.

 

Gemeinschaft Sulzbrunn (bei Kempten/Allgäu)

wir in Sulzbrunn interpretieren die Ausgangsbeschränkungen so, dass wir eine große Familie sind, auch wenn wir auf mehrer Häuser verteilt wohnen. D.h. die Kinder spielen zusammen und wir begegnen uns im Alltag mit dem Abstand, den jeder für sich halten will. Wenn wir zusammen essen (was auch sonst nur zweimal die Woche und bei (jetzt ausfallenden) Seminaren der Fall ist), gibt es offiziell Essen to go, das von der Küche ausgegeben wird. Wo sich dann jeder zum Essen hinsetzt (Speisesaal, mit welchem Abstand…) ist eigenverantwortlich. Größere Runden (Orgaplenum und Sozialräume) finden statt, mit 1,5 Meter Abstand, damit auch diejenigen teilnehmen können, die sich diesen Abstand wünschen. Denn es gibt einige Menschen in unsere Gemeinschaft, die sich oder ihre Angehörigen als Risikogruppe sehen und deshalb vorsichtig sein wollen. Ein älteres Paar, das zwei Wochen in selbstgewählter Isolation verbracht hat, ist jetzt in eine Ferienwohnung umgezogen, da sie sich in der Gemeinschaft mit dieser lockeren Handhabung nicht sicher fühlen.

Wir haben eine gute handvoll Menschen, die noch täglich im Außen arbeiten. Der große Rest verlässt Sulzbrunn nur zum gelegentlichen Einkaufen. Die Basisversorgug läuft über unseren Dorfladen.

Fazit: Im Vergleich zu den allermeisten Menschen draußen haben wir es richtig gut.

 

Eine Gemeinschaft weit im Westen Deutschlands

Wir sind eine Gemeinschaft von zur Zeit 15 Erwachsenen und 6 Kindern. Das Corona Bewusstsein ist bei uns eher langsam, erst nach und nach in unsere Gemeinschaft eingesickert. Haben wir uns schweren Herzens noch vor drei Wochen dazu entschlossen ein öffentliches Liedersingen zum Frühlingsbeginn abzusagen und natürlich den Abend intern dennoch zu zelebrieren, wurde dann vor einer Woche schon darüber diskutiert, wie zeigen wir uns nach außen – unsere Gemeinschaft liegt mitten im Dorf – und wie gehen wir mit Besuch um? Ja, nach außen halten wir auch die Regel ein, gehen nur noch zu zweit spazieren und zeigen uns an der Grundstücksgrenze bei dem Sandkasten nicht mehr als große Gruppe. Intern jedoch leben wir unser Gemeinschaftsleben weiter wie bisher. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen, wir haben unsere Gruppentreffen, es findet Yoga statt, wir haben unsere Kinoabende, wir arbeiten im Garten zusammen und die Kinder wandern von Wohnung zu Wohnung, immer wieder auf der Suche nach neuen Anregungen und Beziehungen. Der Unterschied besteht nur darin, dass niemand von außen dabei ist. Das heißt alle unsere öffentlichen Kulturveranstaltungen, aber auch unsere Infotage und Gruppentreffen mit Menschen der näheren Umgebung sind abgesagt.

Für einige von uns ist der Coronavirus rein abstrakt, weil hier im Leben so wenig spürbar, andere die außerhalb arbeiten spüren anfangs, wenn sie nach Hause kommen, mit Erleichterung die Lockerheit und Entspannung, die hier herrschen, im Gegensatz zu vielen Situationen auf der Arbeit. Aber nach den ersten Wochen kommt auch hier die Frage auf: Dürfen wir das? Einfach so weiterleben, unsere Insel hier genießen? An der Frage: „Darf jede*r so viel und so oft Besuch bekommen wie er/sie will?“, entzündet sich dann eine lange Diskussion. Ist es egoistisch oder solidarisch seine Enkel hierher holen zu wollen, um sie am schönen Inselleben teilhaben zu lassen oder ist es egoistisch oder solidarisch sich zu isolieren und abzukapseln, weil viele Menschen es auch so machen müssen?

Natürlich ist die Haltung dazu in unserer Gemeinschaft so divers, wie wir verschieden sind. Von möglichst gar keinen Besuch bis zu Familientreffen zu Ostern ist vollkommen ok, ist alles dabei. So ließ sich keine einheitliche Regelung finden, geeinigt haben wir uns auf den Satz: Jede*r überprüft für sich, ob es wirklich notwendig ist, den Besuch zu bekommen und entscheidet sich dann selbst.

Die Situation ist für jeden von uns so neu, dass wir alle ständig im Prozess sind dazu eine Meinung oder einen Standpunkt zu finden. Manche wollen auch bewusst in dem Nichtwissen ausharren, um auf die tiefere Bedeutung und Wandlung, die das alles mit sich bringt, zu horchen. Und jeder nähert sich dem Thema auf ganz eigene Weise, ob über viele Informationen aus Radio und dem Netz, in Gesprächen mit Menschen vor Ort oder weit entfernt oder über Nachspüren von Träumen und Bildern, die von innen kommen.

Aber einig sind wir uns alle, dass wir es gut haben hier: wir leben zusammen und nicht allein, wir unterstützen uns und können Sorgen und Ängste teilen, wir leben auf dem Land und können weite und ausgedehnte Spaziergänge machen und genießen alle die besonders klare Luft und den überwältigenden Sternenhimmel in der Nacht. Und diese Erfahrungen wünschen wir möglichst vielen Menschen, denn wir wissen ja: In Wirklichkeit sind wir eine große Familie – die Menschheitsfamilie.

 

Nachbarschaftlich Wohnen in Dormagen

Wir haben in unserer Gruppe zu Anfang eine ziemliche Verunsicherung verspürt. Einige Mitglieder hatten große Ängste, andere deutlich weniger. Wir haben zwei Treffen auf dem Grundstück (mit entsprechendem Abstand) abgehalten, wo jeder seine Sorgen äußern konnte. Inzwischen haben wir alle Treffen eingestellt bzw. sie ins Internet verlagert, wir treffen uns regelmäßig über Zoom. Was hier interessant ist: Unsere inzwischen sehr konstruktive Gesprächskultur muss offenbar ”neu” geübt werden, aber inzwischen klappt das auch virtuell. Info-Cafés haben wir natürlich auch abgesagt und Besuche von außen generell stark eingeschränkt. Aktuell gibt es keine freien Wohnungen, daher stellt sich die Frage nach der Auswahl neuer Mitbewohner bei uns nicht.

Besonders schwierig war die Situation für die Familien mit Kindern, die sich noch mehrfach getroffen haben (dann aber immer über Zoom). Das Ergebnis: Wir haben zwei Gruppen: Eltern mit schulpflichtigen Kindern bilden eine Gruppe und diejenigen mit Vorschulkindern. Es gibt feste ”Gartenzeiten”, in denen die jeweiligen Familien sich auf dem Außengelände aufhalten. Sehr vorsichtige Eltern, die sich hier nicht beteiligen, haben eigene ”Ausgangszeiten”. Absprachen dazu mit Behörden gibt es nicht, bisher sind wir hier aber auch noch nicht angesprochen worden.

Ansonsten läuft die gegenseitige Unterstützung wie gewohnt: Mit dem nötigen Abstand helfen wir uns gegenseitig bei Bedarf, kaufen füreinander ein, haben bei den Engpässen (Toilettenpapier und Mehl) einen kleinen Vorrat, auf den alle zugreifen können, angelegt – da funktioniert die Gemeinschaft auch in diesen Zeiten prima.

Insgesamt ist das Lebern einerseits ruhiger, beschaulicher, viele sind im Homeoffice oder haben ihren Urlaub abgesagt, andere haben mehr Zeit als sonst. Ich beobachte aber auch, dass bei Themen, die schon immer schwierig waren und die Diskussion hoch herging, die Meinungsunterschiede noch deutlicher werden und die Haut dünner ist – ein bisschen Lagerkoller vielleicht?

 

Wagenburg Bambule (Tübingen)

Unsere Gemeinschaft findet sich normalerweise alle 2 Wochen zu einem Plenum zusammen, was erstmal ausgesetzt wurde.

Neuer Besuch ist momentan leider auch nicht willkommen.

Wir haben innerhalb der Gemeinschaft nur noch mit den Menschen zu tun, mit denen wir auch schon vor Corona familienähnlichen Kontakt pflegten.

Gemeinschaftlich kochen ist hier nicht üblich, auch vor Corona war das nicht anders.

Nachbarn mit denen ich z.B. vorher keinen engen Kontakt hatte, würde ich jetzt nicht zu mir einladen.

Wir begegnen uns nur noch draußen und halten Abstand.

Aber ohne Panik, sondern mit Verantwortlichkeit der Situation gegenüber.

 

Eine Gemeinschaft im Schwarzwald

Unser letztes Infotreffen war sowas von mager, 10 waren angemeldet, 2 sind gekommen, da in Furtwangen schon die Schule geschlossen war wegen einer Infektion.

Kurz um haben wir uns überlegt die Menschen online zusammen zu führen. Es soll ja weiter gehen.

Wir haben uns das Teamspeak zu nutze gemacht…

Hier treffen wir uns nun einmal die Woche am Do. Abend um 18.00.

Hier können somit auch Menschen an unserer Gemeinschaft den ersten Kontakt aufnehmen, wenn Sie aus anderen Bundesländern kommen.

Es werden alle Fragen, soweit wie möglich beantwortet und es entstehen auch immer wieder sehr lustige Gespräche, was in der Zeit von sehr neg. geprägten Informationen und Stimmungen daheim, sehr angenehm ist. Somit können wir uns einfach und sicher austauschen.

 

Giegelhof (bei Basel)

In der Tat sind wir hier auf dem Giegelhof im Gegensatz zu vielen anderen Menschen privilegiert. Wir haben einen großen Garten, in dem wir uns bewegen können und wir nutzen die Zeit, um zu gestalten und den Gemüseanbau vorzubereiten. Die Verordnungen treffen uns so gut wie nicht, einzelne Menschen kommen weiterhin auf den Hof, damit ihnen in ihrer Wohnung nicht die Decke auf den Kopf fällt. Wir merken, dass wir besonders von Freunden und Bekannten aus der Stadt Anfragen bezüglich Besuch bekommen. Viele würden sogar gern in Zeiten der Krise hier leben; ein Bauernhof gibt wohl das Gefühl von gesundheitlicher und Verpflegungs- Sicherheit.

Kurz bevor die Lage richtig ernst wurde, fanden eine alleinerziehende Mutter und ihr Sohn, die keinen festen Wohnsitz haben, hierher. Normalerweise leben sie in einem ausgebauten Bus. Durch die Schließung der Campingplätze beschloss die Mutter, bis zur Rückkehr der „Normalität“ eine feste Bleibe zu suchen.

Im chinesischen Wort für Krise stecken anscheinend die Begriffe Gefahr und Chance. Wir versuchen die Chance zu sehen und gehen wiederholt mit Freunden in den Austausch über das System. Wir diskutieren darüber, was sich ändern muss und wie man sich selbst noch ein bisschen mehr unabhängig macht von diesem fragilen Kapitalsystem, das vorherrscht. Was ist wirklich wichtig? Wie wollen wir in Zukunft leben? In welche Richtung muss unsere Resilienz gehen? Wen können wir mitversorgen, z.B. durch einen größeren Kartoffelacker und mehr Hühner. Denn die Lebensmittelpreise werden steigen und es wird nicht mehr alles immer zur Verfügung stehen, was wir persönlich gut finden.

Die Chance sehen wir auch darin, dass mensch wieder bescheidener und demütiger wird, merkt, dass man sich Glück nicht kaufen kann, dass ein Spaziergang im Wald schöner ist als ein Spaziergang im Supermarkt und sich Gedanken macht über das, was wirklich wichtig ist im Leben, nämlich der positive Austausch mit Mensch, Tier und Natur. Dass Zusammenhalt besonders jetzt wichtig ist.

Deswegen kritisieren wir auch vehement die Anstiftung zu Denunziation, in der Verpackung des „Wachsamseins“.

Die Natur erholt sich jetzt schon, nach dieser kurzen Zeit, in der der Mensch gebremst wird. Wir hoffen, dass sich auch Geist und Herz der Menschen erholen können, jetzt, da für viele das gewohnte Leben eine kleine Pause macht.

 

Hofgemeinschaft Gruebisalm (Schweiz):

Wir sind zurzeit 12 Personen hier und leben mit sehr wenig Außenkontakten. Was tun wir nun in der Gemeinschaft? Was kann jeder einzelne tun?

Man kann angstvoll bis hysterisch werden oder das Ganze einfach verharmlosen…beides ist irgendwie das Gleiche.

Wir sind weder noch,  aber wir sind vorsichtig und nehmen das auch ernst.

Der Einkauf wird uns zugeliefert… Das vermindert schon mal die Kontakte. Der Agrotourismus, den wir betreiben, bleibt vorerst geschlossen. Wir haben auf dem Biohof und im Gemüsegarten genug Arbeit und uns auf das Frühjahr vorzubereiten. Das hilft uns sehr.

Wir können sehr konzentriert arbeiten, haben weiniger Zerstreuung als vorher. Das ist eine gute Erfahrung. Wir essen viel Gemüse, Früchte und stärken unser Immunsystem.

Wir machen uns nichts vor. Sollte der Virus bei uns ankommen, dann müsste die infizierte Person im Zimmer bleiben und sich so gut wie möglich selber pflegen.

Wir würden dann das Essen, Vitamine Zink und C, D3, geben. Dann täglich heiße Bäder oder ab in die kleine Sauna. Denn bei 40 Grad wird’s ungemütlich für das Virus.

Hat jemand Fieber nicht sofort Fieber senken. Fieber macht dem Virus sehr zu schaffen usw. usw… Wir wissen, dass der weitaus größte Teil der Menschen das überleben kann.

1,5 Meter Abstand ist nicht einfach einzuhalten. Innerhalb der Gemeinschaft machen wir das nicht. Kommt jemand aus wichtigem Grund zu uns dann ist Abstand richtig.

Der Virus ist nicht böse. Er macht uns bescheiden. Er bringt etwas fertig was kein Politiker konnte z.B. die Flugzeuge stehen am Boden. Während wir höchstens von Flugscham redeten.

Wir haben den Vorteil, dass wir nicht in einer Wohnung eingeschlossen sind. Wir können unseren Hof, unsere Tiere, den Garten mit noch mehr Aufmerksamkeit pflegen als vorher.

Irgendwie sind wir bewusster geworden.

Und wir sind dankbar, bisher nicht betroffen zu sein.

 

Gemeinschaft Kirschblüte (Schweiz)

In unserer Gemeinschaft haben wir keinen einheitlichen äusseren Umgang mit dem Covid-19 Virus, ausser, dass Grossveranstaltungen, Treffen im Plenum, Seminare und Gruppen abgesagt werden mussten und wir in vielem von den Massnahmen, welche die Regierung getroffen hat, beschränkt werden.

Wir sind ca. 120 Erwachsene und ca. 80 Kinder, die in fünf Quartieren eines 1000-Seelen-Dorfes in Einfamilien- oder Mehrfamilienhäusern wohnen. Viele von uns leben weiterhin sehr frei weiter, in nahem Kontakt mit Mitbewohnern, Nachbarn (Kirschblüten), Freunden und erwachsenen Töchtern und Söhnen und deren Familien. Wenn diese Nähe und Freiheit über die Häuser hinaus schwappt, ist es manchmal etwas schwierig mit der übrigen Dorfbevölkerung, die sich zum Teil rigoros einschliesst in ihren Häusern, ihre Kinder nicht mehr draussen spielen lässt und ihnen jeden Kontakt untereinander und zu uns untersagt.

Wir haben in unserer Gemeinschaft einige, die nun Homeschooling unterrichten, im Homeoffice arbeiten oder ganz frei gestellt sind, und dadurch auch mehr Raum und Zeit haben, um unser grosses Gemüse- und Permakulturfeld zu bewirtschaften. Dort müssen wir auf die Abstände und Gruppengrössen achten, da das Feld an der Hauptstrasse mitten im Dorf liegt.

In der Kirschblüte leben aber auch einige Menschen, welche vom Alter oder Gesundheitszustand her zu der Risiko- oder gar Hochrisikogruppe zählen. Diese Menschen und auch die Menschen, die nicht der Gemeinschaft angehören, schützen wir mit den Abstandsregeln. Viele dieser älteren oder kranken Menschen meiden im Moment physische Kontakte ausserhalb ihres Haushaltes. Auch Menschen, welche im Gesundheitswesen tätig sind, beachten die offiziellen Vorgaben und Empfehlungen natürlich gewissenhaft, um das Virus möglichst nicht in Altersheime, Spitäler und Heime zu tragen.

Wir sind uns bewusst, dass wir sehr privilegiert sind mit unserem Leben auf dem Land: wir müssen unsere Kinder und Jugendlichen kaum beschränken in ihren Kontakten und in ihrer Bewegungsfreiheit. Wir können zu Fuss in die (menschenleeren) Wälder, an den Fluss und auf die Felder. Wir können unsere Freunde treffen und in kleineren Gruppen weiterhin unsere Projekte weiterverfolgen.

Die meisten von uns sind finanziell nicht direkt betroffen und diejenigen, die es sind, müssen keine Existenzängste entwickeln, da sie umgeben und gehalten sind von Freunden. Was uns vielmehr beschäftigt, sind die spirituellen Themen um Corona: Was macht es psychologisch und bewusstseinsmässig mit uns, was lernen wir, was könnten wir lernen, wofür noch tiefer erwachen? Was ist die Einladung, die uns das Leben gerade schenkt? Wie ist es unter uns mit dem Tabu des Todes, mit Verletzlichkeit, Endlichkeit, Kontrollverlust, Angst, Suche nach Sicherheit?

Und dann sind da die Beschäftigung, das Mitgefühl mit der Welt: Ein grosser Schmerz über die arbeitslosen Tagelöhner in Indien, den Flüchtlingen in Lesbos, an der syrisch-türkischen Grenze, in Kongo usw., den Menschen in den Slums der Grossstädte Asiens, Südamerikas, Afrikas. Den eingesperrten, überforderten Familien in engen Wohnungen in Wohnsilos, wo Gewalt und Verzweiflung zunehmen, Existenzen bedroht oder bereits zusammengebrochen sind überall auf der Welt. Täglich verhungern über 100.000 Menschen weltweit (auch ohne Corona), nun werden es noch mehr werden. Für diese Menschen wird nicht ein Bruchteil des Aufwandes getrieben (finanziell, wirtschaftlich, medial, freundschaftlich, usw.), den wir nun in unseren Ländern betreiben, wenn wir uns auf einmal verletzlich fühlen und befürchten, dass es uns oder unsere Nächsten treffen könnte. Das macht uns traurig!

Neben all dem Schmerzlichen, dem Fraglichen und den ganz persönlichen Herausforderungen der Einzelnen, geniessen wir die grössere Stille (unser Dorf liegt in der Flugschneise eines kleinen Regionalflugplatzes), die leeren Strassen und die geschenkte Zeit, die wir für Familie und Freunde haben.

Und wir benutzen all unsere gemeinsame Kraft des Herzens und des Kopfes um uns mittels des „Magischen Träumens“ (d.h. im Energiekörper) zu all diesen Menschen in Not zu begeben, um diesen beizustehen. Als „stille Zeugen“ versuchen wir Liebe, Mitgefühl, Energie, Trost, Mut, Kraft, Solidarität und Stille zu bringen.

 

Giesserei (Schweiz)

Solidarität und Disziplin

Es ist still geworden in der Giesserei:

  • Die Gemeinschaftsräume sind geschlossen. Nur der beliebteste Treffpunkt, die Pantoffelbar, darf als Home Office von maximal 2 Personen auf einmal genutzt werden.
  • Die Gästezimmer werden nicht mehr vermietet, damit sie bei Bedarf als Quarantänezimmer genutzt oder Betroffenen zum Ausweichen dienen.
  • Alle Veranstaltungen sind abgesagt.
  • Sitzungen finden nur in Kleinstgruppen statt. Der Vorstand tagt per Videokonferenz.

Aber: Die Giesserei lebt!

Schon lange vor dem allgemeinen Lockdown haben Jugendliche den Alten ihre Dienste fürs Einkaufen angeboten. Dank Apps klappt das hervorragend, auch für junge Familien. Auf unserm digitalen Anschlagbrett, dem Forum, werden Dienstleistungen und Meinungen rege ausgetauscht. Auch die nicht IT-affinen Bewohner*innen gehen nicht vergessen: Telefon und Papier sind immer noch funktionierende Kommunikationsträger.

Dank der Architektur der Siedlung mit ihren durchgehenden Balkonen, die zum Teil auch vertikal gegliedert sind, sind Gespräche mit den direkten Nachbar*innen rechts und links und unten und oben möglich.

Mal begleitet durch Gitarre oder Fagott, mal ohne, singen Bewohner*innen jeden Abend um 18 Uhr auf den zum Innenhof gehenden Balkonen miteinander ein paar Lieder.

Und aus dem Innenhof schallen auch jederzeit Kinderstimmen – für kleine Gruppen ist der Spielplatz ein beliebtes Bewegungsfeld. Die Kita ist offen, wie das Notstandsgesetz es erlaubt.

Für besondere Hygienemassnahmen in den öffentlich zugänglichen Bereichen sorgen die Mitbewohner*innen, welche ähnliche Aufgaben auch im Normalbetrieb wahrnehmen, in vorbildlicher Weise. Zum Beispiel werden in den Treppenhäusern die Handläufe, Türklinken und Lifte täglich desinfiziert.

Den Alltag bewältigen wir jetzt noch gut – was später kommt, weiß keineR.

 

Lebensraum (Österreich)

  • Wir haben die gemeinsamen Mahlzeiten eingestellt – seit Beginn der Pandemie. Da die meisten von uns jetzt zu Hause sind, können wir auch alle selber kochen.
  • Es haben sich drei bis vier Erwachsene und die entsprechenden Kinder zu sogenannten Corona-Familien zusammen geschlossen. D.h. nur diese Menschen treffen sich regelmässig und nur mehr diese Kinder spielen mitsammen.
  • Wir nutzen die Gemeinschaftsräume nicht mehr – alles Leben spielt sich im Freien ab. Zum Glück ist das Wetter schön genug dafür. Gesprächsrunden im Innenhof mit 2 m Abstand, Spaziergänge zu zweit mit 2 m Abstand und spontane Plaudereien im Grünland, höchstens 5 Personen mit entsprechendem Abstand.
  • Es gibt ein reges Austausch-, Einkaufs-  und Hilfeprogramm, das über Telegram gesteuert wird und sehr gut funktioniert. Das Handy ist allerdings ein unverzichtbarer Bestandteil in diesem Lockdown!
  • Die Älteren bleiben zu Hause – die jüngeren kaufen ein.
  • Vereinssitzungen laufen über Zoom und die erste Sitzung war überraschend gut besucht.
  • Da wir ein riesiges Grünland haben, das in den Wald übergeht, gibt es ausreichend Platz und Bewegungsfreiheit für alle. Die Spielplätze werden zu unterschiedlichen Zeiten genutzt, das machen sich die Corona-Familien untereinander aus. Mit den Behörden haben wir hier nichts zu tun, doch wir informieren einander laufend über neue Entwicklungen.

Wir kommen recht gut mit der Situation zurecht – Gemeinschaft ist hier eine enorme Unterstützung und wir sind alle sehr dankbar dafür. Wir rücken (noch) näher zusammen und würdigen diese besonderen Wochen und vor allem die Ruhe im außen (keine Flugzeuge, wenig Verkehr).

 

Kibbuz Mishol (Israel):

#sozialdistanziert und #zuhause bleiben sind ein Widerspruch in sich.

Ich habe mein halbes Leben damit verbracht, meine Haustür zu demontieren, absichtlich, Scharnier für Scharnier.

Jetzt muss ich sie wieder einbauen, ich habe keine Ahnung, wo ich sie finde, und selbst wenn ich sie einbauen kann, ich weiß gar nicht mehr, wie man sie bedient.

Ich habe schon Textnachrichten erhalten, in denen ich beneidet wurde, dass wir viele Leute um uns haben, während andere es nicht tun. Da jedoch viele Menschen in das Gebäude ein- und ausgehen, in den Gesundheitsdiensten arbeiten oder ehrenamtlich tätig sind, müssen wir, um unsere Schwächsten zu schützen (wir haben eine beträchtliche Anzahl von Menschen mit Vorerkrankungen, die sie in Gefahr bringen) und um diejenigen zu schützen, mit denen wir draußen arbeiten, Abstand voneinander nehmen, was emotional, aber auch praktisch eine echte Herausforderung darstellt.

Nein, ich werde weder meinen Job noch das Dach über dem Kopf verlieren. Wirtschaftlich werden wir auf jeden Fall einen erheblichen Schaden erleiden, aber wahrscheinlich werden wir das erst in den kommenden Monaten zu spüren bekommen. Ich werde dieser Krankheit nicht persönlich erliegen, und ich muss mir keine Sorgen um meine eigenen Eltern oder Großeltern machen.

Das Leben, für das ich mich entschieden habe, ist ein Versuch, ein Gegenmittel zum zügellosen Kapitalismus zu verwirklichen. Eine Alternative zu der zerbrochenen Gesellschaft, die wir überall um uns herum sehen. Das Bestreben, eine Gesellschaft zu schaffen, die die blinde Akzeptanz von Armut, Gewalt, Rassismus und Sexismus als „so ist das Leben eben“ herausfordert. Es ist eine Alternative für uns selbst, aber auch für diejenigen, denen wir begegnen und mit denen wir neue Realitäten schaffen.

Und plötzlich werden wir in eine neue, unbekannte und unerwartete Krisensituation geworfen, die uns sowohl physisch, psychisch als auch finanziell herausfordert. Aber die soziale Seite ist am verwirrendsten, wo unser allumfassendes Miteinander tatsächlich gegen uns arbeitet.

Ich schreibe dies nicht auf der Suche nach Sympathie, sondern um die Komplexität zu teilen, die sich aus der Zugehörigkeit zu einer sehr gewollten und eng verbundenen Gemeinschaft ergibt, die sich auch verpflichtet, Verantwortung für unsere Umgebung zu übernehmen.

Anton Marks

 

Valsølillegård (Dänemark)

Valsølillegård hat sich von Anfang an vor 35 Jahren in ein in Familien/Paare aufgeteiltes Leben gewandelt. Wir kommen also nicht mehr so viel zusammen, wie wir es normalerweise tun. Einige der Menschen halten sich für anfällig, weil sie eine Vorerkrankung haben, und wir sind alle älter als 60 Jahre. Das gemeinsame Essen wurde ausgesetzt, und so auch die Treffen, bis sich die Dinge ändern. Ich bin die einzige Einzelperson hier, also bin ich mehr isoliert als die anderen, aber zwei der anderen Frauen haben überprüft, ob ich noch lebe, und ich fahre mit einer von ihnen auf Radtouren. Wir reden zusammen, wenn wir uns draußen treffen – auf Distanz. Ich bin Krankenschwester, also gehe ich raus und treffe andere Leute bei meiner Arbeit. Keiner von uns ist inzwischen krank. Möge es so bleiben.

Dorte Gringmuth Aagaard

 

Solens Hjerte („Das Herz der Sonne“) (Dänemark)

Natürlich ist der Covid-19 etwas, über das wir viel gesprochen haben und das unser Leben und alle 50 Menschen in unserer Gemeinschaft auf vielen Ebenen beeinflusst hat.

Bereits Ende Februar haben wir eine Gruppe gebildet, die aus unserem Arzt und anderen Mitgliedern unserer Gemeinde besteht. Gemeinsam lasen wir über diese neue Krankheit, und es war für uns klar, dass sie irgendwann nach Dänemark kommen würde und dass wir für diesen Zeitpunkt einen Plan parat haben müssten.

Es war sehr gut für uns, all die verschiedenen Aspekte durchzusprechen und uns gegenseitig bei der Suche nach den richtigen Informationen zu helfen, und während dieses ganzen Prozesses hatten wir Treffen aller Mitglieder unserer Gemeinschaft, bei denen wir über unser Wissen und unsere Pläne sprechen konnten. Das war wirklich gut und hat viel Sicherheit in einer unsicheren Zeit geschaffen.

Niemand weiß wirklich, wie schwer die Krankheit sein wird, wenn sie erkranken, und obendrein ist der Älteste hier 92 Jahre alt. Wir wollen uns wirklich gut umeinander kümmern und dafür sorgen, dass niemand krank wird.

Deshalb kaufen wir jetzt unsere Lebensmittel online ein, und wir sind seit fast einem Monat für Gäste und Besucher gesperrt. Keine Gäste, keine Passanten, keine Verwandten, die uns besuchen. Das ist ein riesiger und beispielloser Schritt, und wir haben so etwas noch nie versucht. Zum Glück sitzen in Dänemark und Deutschland alle in „demselben Boot“, so dass es viel Verständnis gibt.

Die Kinder sind zu Hause, aber zum Glück gibt es hier eine ganze Reihe guter Lehrer. Bis jetzt erklären die Kinder lautstark, dass sie die Schule überhaupt nicht vermissen!

Die meisten Leute hier können von zu Hause aus arbeiten, und die letzten, die hauptsächlich im Krankenhaus arbeiten, tragen Masken, wenn sie in unserem gemeinsamen Haus sind, und halten sich ansonsten an sich selbst, um niemanden anzustecken.

Wie wir es oft tun, treffen wir uns regelmäßig und meditieren und senden unser Mitgefühl in die Welt hinaus zu all denjenigen, die krank sind und anderweitig von Covid-19 betroffen sind. So viele Menschen sind in einer schrecklichen Situation!

Es ist sicherlich ein tröstliches und ermächtigendes Gefühl, in dieser besonderen Zeit der Krise zusammenzustehen und zusammenzuarbeiten; die Fähigkeiten zu nutzen, die wir alle haben, um den Alltag reibungslos zu gestalten und in dieser Zeit, in der es so wichtig ist, die Dinge zu besprechen und Sicherheit und Perspektive zu finden.

Wir sind alle gesund und wir sind alle näher zusammen als zuvor und irgendwie auch dankbarer für die Gesellschaft des anderen und die vielen kleinen Dinge im Leben, die wir so oft vergessen; den Frühling und dass wir alle gesund und lebendig sind.

 

Amsterdam Catholic Worker (Niederlande)

Ich spreche nicht für die Gemeinschaft, sondern als Frits persönlich. Ich stelle in meinem Herzen und meinem Verstand eine große und wachsende Spannung zwischen der Einhaltung aller Maßnahmen, die darauf abzielen, Leiden zu verhindern, und dem Leid, das diese Maßnahmen im Leben der Gesellschaft und des Gemeinschaftslebens sowie in meinem persönlichen Leben verursachen, fest.

Ich fürchte, dass das Leid, das die Maßnahmen in der Gesellschaft von der Mikro- bis zur globalen Ebene verursachen, bei weitem das Leid, das das Virus mit sich bringt, überwiegt.

Natürlich sollten wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen, sicher, aber zu welchem Preis?

Im durchschnittlichen niederländischen Haushalt können die Kranken in ihrem Haus herumlaufen und Tee kochen, fernsehen und 1:1 per Chat mit ihren Mitmenschen plaudern. In unserer 20-Personen-Gemeinschaft müssen Menschen mit Symptomen in ihrem Zimmer bleiben. „Lasst uns sicher sein und annehmen, dass es Corona ist“. Wir machen es ihnen noch schwerer als in der Gesellschaft insgesamt, wo man sich im eigenen Haus bewegen kann, wenn man krank ist.

Nach Tagen oder Wochen in unserem Fall, wenn sie keine Symptome mehr haben, dürfen die Menschen wieder in die Gemeinschaft zurückkehren. Ziemlich verdammt, finde ich. Das Gefängnis ist weniger hart, mit Luft, Erholung, Gesellschaft.

In den Niederlanden können wir nicht mit Sicherheit wissen, ob es sich um Corona handelt, weil es in den Niederlanden keine Tests für Menschen mit nur normalem Fieber und Symptomen gibt.  Die derzeitige Vorstellung in der Gemeinschaft ist, dass, wenn ein neuer Mensch krank wird und Symptome einschließlich Fieber hat, alle anderen das Haus nicht verlassen können und diejenigen, die durch die Isolation gegangen sind, nicht für immun erklärt werden, weil „Lasst uns sicher sein und annehmen, dass es kein Corona war“, und sie müssen auch drinnen bleiben.

In einem „normalen Haushalt“ schaue ich mir die Checkliste der Symptome an und weiß, ob ich es hatte oder ob es ein Kann ist, und ich entscheide, ob ich mich selbst für immun erkläre oder als Vorsichtsmaßnahme noch nicht. In ähnlicher Weise verursacht der Kauf eines Autos oder eines Mobiltelefons Leid, sogar bis zum Tod, für den Planeten und für andere Menschen, aber jedes Gemeinschaftsmitglied entscheidet selbst, ob es eines hat oder nicht. Ich weiß ziemlich sicher, dass ich Corona hatte und erkläre mich selbst für immun. Wenn das nicht der Fall ist und ich Schaden anrichte, dann liegt es an mir, genau wie wenn ich ein Auto oder ein Mobiltelefon besitze. Dieser ganze Gruppenzwang, um jeden Preis die absolut sicherste Option zu wählen, macht mich traurig und wütend.

Zu Beginn der Pandemie in den Niederlanden sagten der Premierminister und die Wissenschaftler, das Ziel sei es, eine Gruppenimmunität von bis zu 60% aufzubauen und die gefährdeten Menschen aus dem Weg zu räumen. Wenn die Gruppenimmunität bei 60 % liegt, haben die gefährdeten Menschen eine gute Chance zu überleben, bis ein Impfstoff vorhanden ist.

Wir haben unsere eine ältere Person mit Diabetes aus dem Haus entfernt. Alle 20 + andere sind nicht in den Risikokategorien.

Ich würde sagen, wir sollten ein normaler Haushalt sein, wir sollten nicht davor zurückschrecken, uns das Virus einzufangen, wir sollten zum Körper von 60 % immunen Menschen beitragen, wir sollten eine Familie sein, in der die Kranken im Haus umherziehen können und die Gesunden etwas Abstand halten können, aber wenn sie jemanden trösten wollen, so wie eine Mutter ihr krankes Kind tröstet, dann ist das auch in Ordnung. Und wenn man geheilt ist, nehmen wir an, es sei eine Korona, schließlich handelt es sich um eine Pandemie! Und lassen wir diejenigen, die wahrscheinlich immun sind, frei. Sie haben genug unter dem Virus gelitten, lassen Sie uns nicht noch mehr unter den Maßnahmen leiden.

Wie Sie sehen, gibt es in meinem Herzen eine ziemliche Spannung. Ich bin immer noch von der Gemeinschaft abgesondert, und ich höre, dass es den anderen gut geht und sie mit diesen Regeln zufrieden zu sein scheinen (obwohl alle bis auf einen noch nicht hinter ihrer Tür waren), und die Stimmung ist gut, und es geschehen auch viele schöne Dinge wegen Corona, also ist dies ein Minderheitenstandpunkt. Und zweifellos voreingenommen und nicht mit der ultimativen Wahrheit und ein bisschen bitter. Wahrscheinlich würden Sie in zwei oder drei Wochen eine andere Antwort von mir hören, denn meine Einsichten und die Einsichten der Gemeinschaft entwickeln sich besonders in dieser Zeit der Krise. Die Gemeinschaft kann die Wahrheit besser in der Diskussion und im Austausch finden, aber es ist schwer zu diskutieren, wenn man die Leute nicht mehr in der Küche oder auf dem Balkon oder in der Kapelle trifft und für die Treffen hinter der Tür steht und per Telefon hineingelassen wird, aber man kann die anderen im Raum nicht sehen und oft kaum hören.

Zum Glück habe ich nicht nur ein Zimmer, sondern auch eine Wohnung, in der ich meine Frau und meinen Sohn sehen kann, die ebenfalls krank waren, und einen Balkon und eine Tür, so dass ich in einen Garten gehen kann, in den niemand kommt, und obwohl ich infiziert bin, werde ich wahrscheinlich keinen Schaden anrichten.

 

Studentenvrijstaat Droevendaal (Niederlande)

Hier im Studentenvrijstaat Droevendaal sind die meisten von uns Studenten, die an der Universität Wageningen studieren. Da der Schwerpunkt der meisten Einwohner auf dem Studium liegt, sind wir nicht selbstversorgend. Deshalb ist es schwer, uns zu isolieren.

Wir wenden die gleichen Regeln an wie der Rest der Niederlande. Wir versuchen, 1,5 m Abstand zueinander zu halten und die Anzahl der Besucher (sowohl von außerhalb als auch aus Droevendaal) in unseren Häusern zu minimieren. Die meisten Gruppenaktivitäten werden abgesagt.

In der Praxis halten wir uns nicht immer an diese Regeln, da es bei uns sehr üblich ist, die anderen zu besuchen, und es sehr schwierig ist, den Abstand von 1,5 m einzuhalten. Wir treffen uns oft im Freien, und wir haben gemerkt, dass man bei Lagerfeuer gut Abstand halten un dtrotzdem zusammenkommen kann. Wenn wir nicht studieren, arbeiten wir in unseren Gärten oder machen Musik.

Um diese Jahreszeit kommen kaum neue Studenten kommen, um hier zu leben, und das wird zusätzlich eingeschränkt, weil die Universität die meisten Auslandspraktika streicht. Aber es gibt keinen Stopp für Leute, die zu uns kommen oder ausziehen, auch deshalb nicht, weil die Häuser im Besitz einer externen Wohnungsvermittlung sind, die letzlich entscheidet, wer wann einzieht, und keine Zimmer leer stehen lassen will.

 

Ecovillage Boekel (Niederlande)

Im Ökodorf Boekel sind wir gerade dabei, unsere Häuser zu bauen. Die Klimakrise dauert noch an, also geht es auch bei uns weiter. Alle Treffen finden online statt. Jeden Monat haben wir ein Informationstreffen, durchschnittlich sind etwa 30 Personen aus den ganzen Niederlanden anwesend. Das erste Online-Treffen wurde von 45 Interessierten besucht, und zwei Wochen später sahen es fast 400 Menschen auf YouTube. Die Kinder lieben es, dass sie den ganzen Tag zusammen spielen können, ohne zur Schule gehen zu müssen. Was die Erwachsenen anbelangt, so arbeiten wir immer noch gemeinsam am temporären Gemeindezentrum, aber mit einem Abstand von 1,5m. Wir haben eine Person, die Corona hat, und wir kümmern uns gut um sie mit Abendessen und Einkäufen. Wir haben keine Corona-Regeln aufgestellt, da wir alle sehr verantwortungsbewusste Menschen sind, und dann braucht man auch keine Regeln.

 

Bergen Ecovillage (Norwegen)

Das Leben in Norwegen geht weiter und der Prozess der Gründung des Ökodorfes Bergen in Norwegen geht weiter, aber unsere Ökodorfarbeit hat sich etwas verlangsamt… In mancher Hinsicht hat die Pandemie unser Bewusstsein über die Bedeutung und den Wert unseres Ökodorf-Projektes – und ähnlicher Projekte in Europa und in der ganzen Welt – verändert und bereichert.

Wir haben unsere wöchentlichen Treffen, aber jetzt in unseren Wohnungen oder über Skype, weil alle öffentlichen Orte in Norwegen geschlossen sind. Wir veranstalten unseren monatlichen Social Friday außerhalb und nicht im Studentenzentrum in Bergen, wo wir uns früher trafen, weil das Zentrum geschlossen ist. Wir haben unseren monatlichen Arbeitssamstag wie üblich, und Gäste sind nach wie vor willkommen, aber wir können nur ein oder zwei Gäste auf einmal empfangen, da die Behörden angekündigt haben, dass sich nur kleine Gruppen von maximal 5 Personen versammeln dürfen. Wenn wir im Mai und Juni mit der Arbeit auf den Feldern beginnen, werden wir uns wahrscheinlich dafür entscheiden, in kleineren Gruppen an verschiedenen Orten zu arbeiten, anstatt alle zusammen am selben Ort zu werkeln…

 

Tersen (Schweden)

In Tersen sind diejenigen von uns, die isolierte Sommerhäuser haben, dorthin umgezogen. Unsere Treffen, Kaffee um 10.30 Uhr, Freitagsessen usw. haben wir bis auf Weiteres ausgesetzt. Diejenigen, die irgendwelche Influenza-Symptome verspüren, begeben sich in ihren Wohnungen in Quarantäne, die jüngeren Bewohner haben eine Einkaufsgruppe für uns „Alte“ gebildet Wir behalten den Überblick über einander. Es gibt eine Menge interne Postkommunikation.

Eine Gemeinschaft in Frankreich:

Hier ändert sich nicht so viel, Menschen, die keine Umarmung mehr wollen, sollten sich um ihre Bedürfnisse kümmern und das entsprechend kommunizieren.

Ist euer Zuzugsprocedere im Moment völlig ausgesetzt?

Wir haben beschlossen, offen für Interessierte zu bleiben, aber die meisten Leute wollen keine Geldstrafe riskieren…

 

Tifolk (Frankreich)

Hier in Trémel war es unser Anliegen, die Schließung unseres Solidaritätslebensmittelgeschäfts zu vermeiden, das Menschen in finanziellen Schwierigkeiten hilft und dazu beiträgt, die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu reduzieren…

Wir sind auch als „Bürgervereinigung“ („Civic Reserve“.) registriert.

Sobald der Lockdown begann, sind die Bewohner zu ihren Eltern/Familie gezogen, um ihnen so gut wie möglich zu helfen. Einige werden nach dem Ende des Lockdowns zurückkehren, andere werden zu neuen Horizonten aufbrechen.

Aber das, was jetzt geschieht, gibt unserer Gemeinschaft einen Sinn. Wir müssen schneller vorankommen, aber wir haben schon so viel getan…

 

MagnyÉthique (Frankreich)

In Frankreich gibt es wegen Covid-19, anders als in Deutschland, eine Ausgangssperre, die schon seit bald vier Wochen anhält. Bei uns im Ökoort verläuft die Zeit aber eher auf angenehmer Weise. Schon fünf Haushalte wohnen vor Ort, das heißt acht Erwachsene und sieben Kinder. Wir organisieren uns täglich, damit vier Erwachsene in dem Coworking-Zimmer telearbeiten können, andere ein paar Bau- oder Gartenarbeiten machen können und zwei oder drei morgens die Kinder anderthalb bis zwei Stunden bei den Hausaufgaben betreuen, die ihnen ihre Lehrer täglich schicken. Nachmittags unternehmen ein bis zwei Erwachsene Bastel-, Sport- oder Spielaktivitäten mit den Kindern, so dass die anderen sich mit Arbeiten beschäftigen können, die nicht auf Workcamps gemacht werden konnten.

Was das Einkaufen angeht, geht es uns auch gut, hier auf dem Land. Wir besorgen weiterhin Milchprodukte und Gemüse auf zwei Biobauernhöfen im Dorf und ungefähr zweimal im Monat holt einer von uns die Bestellungen in einem Biogeschäft aus der Stadt. So können wir ganz stark unsere Fahrten reduzieren, um die Regeln mit der Außenwelt zu respektieren.

Was die Regeln bei uns angeht, läuft es aber allerdings anders als vorgeschrieben. Jede Familie ist nicht einzeln in seiner Wohnung gesperrt. Die Kinder springen immer noch in die Armen von dem einen oder dem anderen, egal ob dieser Mensch aus ihrer Familie ist oder nicht. Apéro trinken wir immer noch regelmäßig zusammen, manchmal auch über Online-Konferenz mit den anderen Mitgliedern des Projektes, die nicht bei uns sind. Einem werdenden Mitglied unseres Ökodorfes ging es moralisch so schlecht, drei Wochen lang ganz alleine in ihrer kleinen Wohnung in einer Stadt, dass die festen Bewohner sie herzlich empfangen haben, obwohl es normalerweise verboten ist. Einfach zuschauen, wie sie zugrunde ging, war uns unerträglich. Ein anderes Mitglied wollte zwei Drittel Frankreichs durchfahren, um zu uns auch zu kommen, wünschte sich aber eine offizielle Genehmigung aus „offiziellen“ Gründen von der Gruppe, falls er von der Polizei kontrolliert werden sollte. Wir haben uns aber dagegen entschieden dieses Papier zu erstellen, es war uns nicht ethisch genug. Falls er ohne Genehmigung von uns fahren möchte, wird er aber herzlich empfangen…

Es ist für unsere Gruppe ziemlich schwierig, jede Woche bei unseren Sitzungen zu hören, wie unterschiedlich sich die Mitglieder fühlen. Es gibt zwei gegensätzliche Gruppen: diejenige, die schon vor Ort wohnen und sich ziemlich wohl fühlen, die zusammen sind, Solidarität erleben, von den acht Hektar Wiesen des Ökoorts profitieren. Und diejenige, die noch nicht Bewohner sind und noch außerhalb ihr Zuhause haben, die dann allein, zu zweit oder innerhalb ihrer Familie die Haussperre erleben und die eher beängstigt sind und sich unwohl fühlen, die auch oft ihren Frust ausdrücken, nicht hier im Ökodorf sein zu dürfen.

Dafür haben wir feste Zeiten eingeführt, wo „Empathisches Zuhören“ per Telefon oder Online-Konferenzen stattfindet. So kann jeder, der es möchte und kann, sich über Gefühle austauschen, die von der aktuellen Lage angeregt werden. Und ein tieferer zwischenmenschlicher Kontakt als bei den Arbeitssitzungen kann unter uns stattfinden.

Trotzdem gibt es auch im Ökodorf Gründe, sich Sorgen zu machen. Die Bauarbeiten stehen uns bevor und sollten bald anfangen, damit wir die zukünftigen Mitglieder bald empfangen können. Aber nun werden die Fristen verlängert… und bis wann? Eine Woche Workcamp wurde schon abgesagt, wie es aussieht, wird das angestrebte Permakultur-Seminar auch nicht stattfinden… und was noch?

Eins ist uns sicher: In so einem Ökodorf lassen sich solche Situationen viel besser erleben: Unterstützung, Solidarität, Menschlichkeit, Resilienz, Gemütlichkeit (selbst ohne Komfort, solange die Bauarbeiten nicht durchgeführt werden). Wir haben alles, was man braucht um sich wohl zu fühlen. Und bestimmt denken sich das während ihrer Haussperre die Leute auch, denn so viele Anfragen wie in den letzten Tagen hatten wir eher selten…

 

Birchwood Hall (England)

Ich schreibe aus der Gemeisnschaft Birchwood Hall, in einer ländlichen Umgebung außerhalb von Malvern, Worcestershire in Großbritannien.  Wir haben 10 erwachsene Mitglieder und insgesamt etwa 15 Personen, die sich auf zwei Wohngebäude im Abstand von etwa 50 Metern verteilen.

Die größte Veränderung für uns ist, dass wir, während wir früher alle zusammen in dem einen oder anderen Haus zu Abend aßen, jetzt die beiden Häuser getrennt haben, um die Interaktion zu minimieren. Wir sind jetzt also in Wirklichkeit zwei (meist) getrennte kleinere Gruppen. Außerdem leben einige Mitglieder, die noch arbeiten, vorerst außerhalb der Gemeinschaft, anstatt zu kommen und zu gehen.  Obwohl sich die Gemeinschaft über eine große Altersspanne (9-78 Jahre) erstreckt, haben wir einige ältere und potenziell gefährdete Mitglieder und versuchen, sie so gut wie möglich zu schützen.

Unsere größte „Schwäche“ in Bezug auf die Isolation ist, dass wir Lebensmittel einkaufen müssen, da es unmöglich ist, Lieferungen von nahe gelegenen Supermärkten zu erhalten; aber wir nutzen kleine Läden und Hofläden oder örtliche Bauern so weit wie möglich, um uns von Menschenmassen fernzuhalten.  Bis zum späten Frühjahr und im Sommer werden wir eigenes Obst und Gemüse haben, aber natürlich haben wir das jetzt nicht, und wir werden uns nie selbst mit Lebensmitteln versorgen können.

Wir empfangen keine Besucher, und wir haben unseren so genannten „potenziellen neuen Mitglieder“-Prozess für drei Personen, die ihn begonnen hatten, ein Paar und eine alleinstehende Frau, ausgesetzt.  Wir haben vor, gelegentlich über Zoom mit ihnen in Kontakt zu bleiben, aber wir können den möglicherweise langwierigen Prozess, der in einer sechsmonatigen Probezeit gipfelt, nicht wieder vollständig aufnehmen, es sei denn, die Epidemie geht zurück und wir fühlen uns sicher.

Abgesehen davon ist das Leben ziemlich gut, und der Garten und das Gelände erhalten mehr Aufmerksamkeit als je zuvor.  Viele von uns arbeiten immer noch in Voll- oder Teilzeit von zu Hause aus, und die Auslastung scheint kein Problem zu sein, außer vielleicht für die Teenager hier.  Wir entdecken, welche Spiele man spielen kann, ohne die soziale Distanz zu verlieren; zum Beispiel werden wir bald ein „Pub-Quiz“ mit Hilfe von Zoom durchführen, und wir können unsere Tischtennis- und Billardtische benutzen, solange nur zwei Personen spielen.  Wenn das Wetter besser wird, können wir draußen Boule oder Krocket spielen und trotzdem zwei Meter Abstand zu den anderen halten.

Natürlich sind wir erst seit ein paar Wochen vollständig abgeriegelt und das ist noch nicht lange genug Zeit, um sich zu klaustrophobisch fühlen, und es hilft, dass wir 3 Hektar Land haben, in dem wir herumwandern können (meistens Wald).  Es bleibt abzuwarten, welche Belastungen sich abzeichnen könnten, wenn dies über Monate hinweg so weitergeht.

 

Darvell Bruderhof (England)

Lesenswert, wie die weltweit verbreiteten Bruderhof-Gemeinschaften auf die Pandemie reagieren – sehr besonnen und kooperativ:

https://www.bruderhof.com/de/voices-blog/leben-in-gemeinschaft/notizen-aus-dem-covid-19-lockdown

 

Pendragon Community (England)

Zur Zeit leben hier 7 von uns, 2 von ihnen haben Kinder, deren anderes Elternteil nicht hier lebt, und diese beiden Kinder besuchen uns auch und werden als zu unserer Familie gehörig betrachtet, was bedeutet, dass unsere Familie sich unter dem Gesichtspunkt der Ansteckung auch auf ihre anderen Elternhäuser ausdehnt. Wir haben freie Wohnkapazitäten und haben mehrere gefährdete Personen eingeladen, sich uns anzuschließen, mit der Begründung, dass sie in einem Bereich des Hauses unter Quarantäne gestellt werden, wo sie völlig isoliert bleiben, ihr Essen selbst kochen können usw. Nicht alle konnten kommen, manchmal, weil sie nicht vermuten, dass sie ihr Kind nicht effektiv isolieren könnten.

Das Leben für uns Gemeinschaftsbewohner ist in der Tat gut, wir haben viel gutes Essen und große gemeinsame Mahlzeiten, wir sind Gesellschaft füreinander, die Kinder spielen zusammen, wir spielen oft abends alle zusammen. Einige von uns bevorzugen es sogar so, weil sie das normale Gemeinschaftsleben mit dem ständigen Kommen und Gehen von Menschen als stressig empfinden oder weil es ihnen eine Entschuldigung dafür bietet, mehr Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, usw. Aber es wird gut sein, wenn wir wieder Aktivitäten mit der ganzen Gemeinschaft haben können, wie weit diese im Moment auch entfernt sein mag.

Unsere Gemeinschaft befindet sich am Rande einer kleinen Stadt, so dass sie normalerweise ein Ort ist, der neben den Bewohnenden auch von vielen anderen Menschen genutzt wird.

Einige der Menschen hier sind WWOOFer, die zufällig hier waren, als die Pandemie zuschlug. Die Arbeit geht weiter, um den Gemüsegarten vorzubereiten und zu bepflanzen und das Gelände zu pflegen, wir machen morgens Yoga, aber es gibt generell weniger zu tun. Finanziell gibt es im Moment sehr wenig Einnahmen, aber wir haben Reserven. Im Vereinigten Königreich gibt es derzeit keine Tests für Virus, außer für sehr wenige Menschen in Krankenhäusern, so dass wir davon ausgehen, dass niemand in unserer „Familie“ das Virus gehabt hat. Ich bin 67 Jahre alt, der Älteste, und ich hoffe, dass ich mich in dieser Krisenphase der Epidemie hier nicht anstecke, und ich denke, dass alle vernünftig sind. Einige Leute denken, dass diese Situation positive Auswirkungen haben könnte, wie die sozialere Einstellung nach dem 2. Weltkrieg; dass sie unseren mörderischen Angriff auf unseren Planeten mildern könnte, aber ich wäre überrascht. Im Allgemeinen denke ich, dass der Schmerz, den die gegenwärtige Situation verursacht, die Menschen wahrscheinlich noch weniger rücksichtsvoll macht, wenn sie in der Lage sind, wieder „normal“ zu handeln, und in Großbritannien haben wir für die nächsten fünf Jahre eine fest verankerte Rechtsregierung und sind damit abgeschnitten von unseren europäischen Nachbarn. (Roger)

 

The Drive Housing Co-op (England)

Wir hatten hier bei The Drive Housing Cooperative ziemlich viel Glück. Eine fertige Gemeinschaft innerhalb der Grenzen unseres Hauses zu haben, hat die Isolation sehr viel einfacher gemacht, und bewusst zu leben bedeutet, dass wir bereits einen Großteil der Kommunikationsstrukturen eingerichtet hatten – was die schwierigen Gespräche, die diese Pandemie mit sich bringt, um vieles einfacher macht, da wir uns bereits Gedanken darüber gemacht hatten, wie sich unser Handeln auf unsere unmittelbare und breitere Gemeinschaft auswirkt. Wir haben einige wirklich großartige Gemeinschaftsinitiativen im Rahmen des Netzwerks für gegenseitige Hilfe ins Leben gerufen, von denen einige bereits von unseren Mitgliedern unterstützt werden (Lebensmittelgeschäft und vorgefertigte Mahlzeiten für die Gefährdeten und sich isolierenden usw.), und wir haben eine kleine Werkstatt zur Herstellung von Masken eingerichtet – unsere Nähmaschinen haben noch nie so viel Liebe erfahren! Da wir bereits standardmäßig zusammen zu Abend essen, bedeutet das, dass wir jetzt einfach jeden Abend alle noch Anwesenden dabei haben. Zwei Mitglieder unserer Mitglieder sind zu ihren Familien gefahren, um sie zu unterstützen, aber wir haben sie per Zoom bei Treffen und Versammlungen dabei, wenn wir können.

Wir hatten bereits eine Diskussion über die Aufnahme neuer Mitglieder geplant, und wir haben beschlossen, uns zu öffnen, um ein weiteres Mitglied aufzunehmen (und damit alle verfügbaren Räume zu füllen), und überlegen jetzt, wie wir das bewerkstelligen können! Wir hoffen, bald einige virtuelle Zusammenkünfte veranstalten zu können, Interessierte zu Video-Abendessen einzuladen und hoffentlich auch einige Online-Meetings im Webinar-Stil für Leute abzuhalten, die sich dafür interessieren, worum es bei uns geht.

 

Threshold Cohousing Community (Großbritannien)(die automatische Übersetzung liefert als Name Schwellenwert-Unterbringungsgemeinschaft“ :-))

Wir schätzen uns glücklich, in einer Gemeinschaft zu leben, zumal wir bei uns eine große Gemeinschaftswiese zwischen den Häusern und einen halben Hektar gepachtetes Land haben, auf dem wir Obst und Gemüse anbauen. Seit dem „Lockdown“ versammeln wir uns jeden Morgen (in sicherem Abstand!) auf dem Rasen für eine Befindlichkeitsrunde und um zu fragen, ob jemand Einkäufe oder Hilfe braucht, und oft meditieren wir, singen oder üben Qi Gong. Nur zwei von uns arbeiten noch, so dass der Rest von uns genügend Zeit hat, im Garten zu arbeiten oder einfach auf dem Rasen zu sitzen und Kontakte zu pflegen – wieder immer in sicherem Abstand. Da wir auch auf dem Land leben, haben wir viel Freiraum zum Spazierengehen (mit oder ohne Hunde), ohne ins Auto steigen zu müssen.

Schade ist, dass wir unsere zweimal wöchentlich gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten oder unsere tägliche Meditation nicht mehr im Meditationsraum im Gemeinschaftshaus einnehmen können, und selbst unser monatliches Geschäftstreffen ist zu einem „Nicht-Treffen“ im Garten geworden. Das Gemeinschaftshaus wurde zum Familienhaus der 3 Bewohner bestimmt, die dort Zimmer gemietet haben, und somit sind andere Gemeinschaftsmitglieder ausgeschlossen. Wir mussten alle unsere Veranstaltungen absagen, von denen einige der Gemeinschaft ein kleines Einkommen bringen und es interessierten Besuchern ermöglichen, uns zu besuchen. Zum Glück haben wir zur Zeit keine freien Zimmer, so dass dies kein dringendes Problem ist…! Wir müssen äußerst vorsichtig sein, wenn wir mit den Oberflächen in der gemeinsamen Wäscherei, den Gefriertruhen, den Türgriffen, den Feldtoren usw. umgehen, und ich glaube, wir alle haben eine geheime Angst davor, „derjenige“ zu sein, der den Virus in die Gemeinschaft bringt, zumal wir 2 oder 3 Bewohner haben, die als sehr anfällig angesehen werden könnten.

Auf der positiven Seite ist das Leben im Allgemeinen entspannter und es scheint mehr Gemeinschaftsgefühl zu geben, so dass die Welt „draußen“ manchmal ziemlich surreal erscheint.

 

Isle of Erraid (Großbritannien)

Das Leben auf Erraid geht fast weiter wie gewohnt, da wir bereits eine isolierte Existenz an einem abgelegenen Ort führen. Wir haben eine vollbesetzte Gemeinschaft und einen Langzeitgast, der nicht in seine Heimat zurückkehren kann. Zwei Mitglieder haben sich nach ihrer Rückkehr von anderswo für zwei Wochen „selbst isoliert“, und jetzt sind wir für Neuankömmlinge geschlossen. Wir sind gut bestückt, und die Gärten werden mit dem Gemüse dieser Saison bepflanzt.

Viele von uns empfinden enorme Dankbarkeit für diese Großfamilie, in der das Leben durch tägliche, wöchentliche und saisonale Rhythmen unterstützt wird. Natürlich bedeutet kein Gast kein Einkommen, aber wir können das für eine Weile aushalten. Tägliches Teilen und Mahlzeiten, die gemeinsam angebaut, gekocht und gegessen werden, verstärken den Nutzen des Gemeinschaftslebens.

Als Insel vor der Insel engagieren wir uns auch außerhalb unserer Erraid-Familie, um die lokale Inselgemeinschaft zu unterstützen. So spenden wir zum Beispiel Eier, die wir im Überfluss haben, an einheimische Kinder für ihre Osterfeierlichkeiten.

Wir leben jedoch von Tag zu Tag, und es ist ein Segen für uns, jetzt hier zu sein.

 

Valley of Peace (Portugal):

Wir sind immer noch offen. Der Grund ist, wir haben einen Mitbewohner der die Aura sehen kann und er entscheidet im Moment ob und wen wir aufnehmen.

 

Tamera (Portugal)

In Portugal wurde Ende März der Notstand ausgerufen, Schulen und die meisten Geschäfte, Bars, Restaurants, viele Arbeitsstätten sind geschlossen. Wir haben uns – auch aus Rücksicht auf unsere umliegende, eher ältere Bevölkerung – fast völlig von der Außenwelt isoliert, und wir rechnen mit der Möglichkeit, dass unsere ganze Gästesaison ausfällt. Angst vor dem Virus hat hier kaum jemand, aber bei einigen melden sich andere Ängste, denn natürlich weiß niemand, wie das ganze ausgehen wird. Da ist es gut, einander zu haben und sich aufeinander verlassen zu können.

Wir leben als Gemeinschaft ja in einem großen Privileg. Die Corona-Krise sehen wir auch als eine Chance: für uns als Gemeinschaft, für jeden persönlich und für unser globales Netzwerk – eine Chance zur Vertiefung. Wie werden wir als Menschheit und als Gemeinschaft aus dieser Krise herauskommen? Hoffentlich mit einer tiefen Veränderung.

Viele sind nicht so privilegiert: Unsere globalen Freunde aus den Slums von Kenia und Brasilien, aus Nahost, Mexiko, den Philipinen und Kolumbien leben unter starken Restriktionen und echter Bedrohung. Jetzt könnte ihr Wissen über sozialen Zusammenhalt, über Vertrauensaufbau und über regionale Selbstversorgung einen echten Unterschied für ihre Region ausmachen. Die langjährige Zusammenarbeit mit uns und das gemeinsame Lernen zahlt sich jetzt für sie richtig aus. Der sich andeutende globale Wirtschafts-Crash könnte ja auch zu einem echten globalen Neustart führen: Jetzt geht es um Gemeinschaftsbildung in den Regionen, um die Unterstützung von Bauern, um die eigene Selbstversorgung mit Wasser, Energie und Lebensmitteln, um gelebte Nachbarschaft – auch wenn man sich derzeit nicht direkt treffen kann.

So haben wir unser Leben umorganisiert, gehen in die Gärten, statt Seminare und Netzwerkreisen vorzubereiten, machen spirituelle und menschliche Tiefenarbeit, wir genießen auch das Alleinsein, haben ein Team für die anstehenden Entscheidungen rund um Corona, senden fast täglich ein Live-Video und schicken immer wieder Newsletter und Briefe, um andere Gemeinschaften und Menschen zu unterstützen und ihnen Mut zu machen. Denn der Angst-Virus scheint uns gefährlicher zu sein als alles andere. Vertrauen ineinander ist das wichtigste Anti-Virus.

Von dort gibt es auch einen Newsletter zum Thema:

https://terranova.tamera.org/civicrm/mailing/view?reset=1&id=ecb177d9dc9caf6a – der Link zu dem eigentlichen langen Text ist https://www.tamera.org/de/artikel-corona-als-chance-fuer-systemwechsel-fuenf-konkrete-anregungen-aus-tamera/

 

Ein Projekt in der Algarve (Portugal)

In der Algarve in Südportugal haben wir in den vergangenen beiden Wochen einige Menschen, 4 deutsche und 2 franco-schweizer bei uns aufgenommen, welche in Portugal auf Campingplätzen gestrandet waren und gar nicht mehr weiterwussten, da sie nirgendswo unterkommen konnten.

2 Deutsche konnten sich kurzfristig einen Rückflug nach Deutschland organisieren, die anderen werden wohl ein-2 Monate bleiben und bringen sich ein, …. höchstwahrscheinlich wären sie ohne „Corona“ nicht bei uns angekommen, da unser Projekt sie eigenlich inhaltlich nicht sehr ansprach.

Jetzt macht man aber aus der Not eine Tugend, und siehe da, ….. letztendlich ist es eine Win-Win-Situation für alle.

In der Gascogne in Südfrankreich haben sich einige ehemalige Bewohner in einem alten Bauernhaus niedergelassen. Wir haben hier vorgestern einen 65 jährigen französischen Rentner auf der Straße „aufgelesen“ und kurzfristig zu uns genommen.

Der Mann der bereits seit einer Woche zu Fuß unterwegs war mit 25 kg Gepäck auf dem Rücken, hatte noch 400 km vor sich und da keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zur Verfügung stehen geht er zu Fuß „nach Hause“. Es ist hier in Frankreich streng verboten Anhalter mitzunehmen, aber wir sehen die Dinge anders…

Gelebte Solidarität muss sich über ein kalkulierbares Risiko hinwegheben (dürfen).

Nach einem Tag und einer Nacht ausruhen, heiße Dusche und gestärkt durch einige kräftige Mahlzeiten, begleitet von guten Gesprächen und natürlich einer Umarmung, hat er seine Fuß-Reise mittlerweile fortgesetzt. Auch ein wertvoller menschlicher Kontakt der ohne die „Krise“ nicht zustanden gekommen wäre.

Im Übrigen haben wir alle, inklusive Kinder, Freunde und nahe Bekannte den Virus bereits in der ersten Woche hinter uns gebracht. (Schwachsymptomatisch wie über 80% der Bevölkerung). Wir sind daher mittlerweile immunisiert und stellen keine Ansteckungs-Gefahr für niemanden mehr dar.

Ich gehe jeden Tag zur Arbeit (mit Ausnahmegenehmigung da systemrelevante Tätigkeit), und wir besuchen auch unsere Nachbarn und engen Freunde, (trotz Kontaktverbot). Wir spüren wer mit sich gut in Verbindung ist und wem wir uns auch in Krisenzeiten zumuten können, und wer nicht.

Auf dem Land zu leben in einem kleinen Dorf wo man sich kennt, hilft sicherlich auch dabei.

 

AutarcaMatricultura (La Palma)

Wir auf AutarcaMatricultura machen genau so weiter wie bis anhin, wir nähren, integrieren, schützen das Lebendige, pflegen das Schwache und gleichen aus. Unsere Kinder können nun endlich auch legal zu Hause bleiben,  ab und an müssen sie einige Hausaufgaben machen, ansonsten sind sie mit uns zusammen und tun mit uns, was wir tun. Jetzt bleibt viel mehr Zeit zum Spielen. Das ist schön für alle.

Die Nachbarschaftshilfe ist etwas erschwert, da immer nur eine oder einer auf die öffentliche Straße darf, aber es geht.

Für unsere Gemeinschaft mit der Region sehen wir, dass unser jahrelanges intensives Engagement für die Transition hin zu einer resilienten Wirtschaft in der Region gerade jetzt in der Notstandszeit die ersten sichtbaren Früchte zeigt…das freut uns und animiert uns weiter an den Themen dranzubleiben:  „Bedingungsloses Grundeinkommen“,  „Land für Jede und Jeden“ und  „Bäume pflanzend und Ökosysteme aufbauend in die Unabhängigkeit und Gesundheit wie auch Fülle für alle Lebewesen, jetzt und für die Zukunft“.

 

Ökopolis Tiberkul (Russland)

Unsere Gemeinschaft siedelt ja in einer abgelegenen Ecke Südsibiriens, unterliegt aber ähnlichen Anordnungen der russischen Behörden, wie sie in Deutschland üblich sind, jedoch erst seit dem 28.3. versuchsweise bis zum 5.4.

Da es in unserer Gemeinschaft keine gemeinschaftlichen Wohneinrichtungen gibt, wo mehrere Personen unter einem Dach leben, betreffen die Einschränkungen nur unsere Versammlungen und gemeinschaftlichen Arbeiten.

Besucher aus dem Ausland werden auf behördliche Verfügung in 2-wöchige häusliche Quarantäne gestellt. Danach ärztliche Untersuchung.

In unserer Region ist kein Krankheitsfall bekannt, soviel ich weiß.

Also, bisher Gelassenheit…


 

Auch auf englisch unter https://eurotopia.de/newsletters/eurotopia-Newsletter_April2020.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.